mit Gisela Seibt, Dr. Helmut Seibt, Wustrow, und Inge Jastram, Kneese
Das kleine Stammtisch-Jubiläum stellen wir unter das obige Thema, womit wir den Rostocker Verleger Peter Emil Erichson (1881 – 1963) meinen, mit dessen Hinstorff-Verlag Käthe Miethe vielfältig und langjährig als Lektorin, Herausgeberin und Autorin verbunden war.
Wir haben uns dazu im Hinstorff-Archiv in Rostock und in Ahrenshoop etwas umgesehen, manches gefunden und wollen versuchen ein Bild dieses „ungekrönten Königs vom Fischland“, wie ihn Fritz Meyer-Scharffenberg nannte, zu malen.
Peter E konnte viel und lange erzählen, über ihn wurde auch viel erzählt. Wir wünschen uns, dass wir am Stammtisch vielfältig über Peter E ins Gespräch kommen und würden uns freuen, wenn viele am Bilde dieses einzigartigen Menschen mitmalen würden. Fritz Koch-Gotha hat das im wörtlichen Sinne bereits 1956 im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel getan:
Beginnen wollen wir mit dem Text von Käthe Miethe über Peter E „Vom Typographen zum Verleger“, den ich im Januar 2015 als Fundstück 7 auf www.seniorenbeirat-wustrow.de veröffentlicht habe, diesmal also nicht mit dem im Juli aktuellen Fundstück 22.
Zur Vorbereitung des nächsten Stammtisches sind wir wieder zum „Arbeits-Kaffeetrinken“ in Malchens Café, diesmal am Montag, dem 18. Juli, ab 15 Uhr.
Wenn auch die Ostseezeitung wieder eine ausführliche Ankündigung veröffentlicht hatte, war Peter E für Urlauber offenbar nicht von Interesse. Im Veranstaltungsflyer und auf der Internetseite der Kurverwaltung ist der Stammtisch zwar aufgelistet, das jeweilige konkrete Monatsthema fehlt aber. Wir haben eben keinen längerfristigen Themenplan. Vielleicht fallen uns für die Zukunft noch Verbesserungen ein.
Zum kleinen Stammtisch-Jubiläum konnten wir Inge Jastram als besonderen Gast begrüßen, worüber sich alle 14 Teilnehmer sehr freuten.
Wir stellten diesmal einen Beitrag von Käthe Miethe von 1951 oder 1952 an den Anfang: Frau Matthias las „Vom Typographen zum Verleger“, worin der Lebensweg von Peter E beschrieben wird.
Anschließend schilderte Inge Jastram einige Begebenheiten, an die sie sich aus den Jahren ihres Bekanntseins mit Peter E erinnerte und die ich mit „Peter E., der ungekrönte König des Fischlandes“, einem Beitrag von Jo Jastram, ihres Mannes, abrundete, den er 2002 in „Kunststück Ahrenshoop“ veröffentlicht hatte (Sitzungen zum Modellieren, Trinkgewohnheiten, Aufnahme der Nachricht von Käthe Miethes Tod).
Zum Vortrag kamen außerdem noch ein Ausschnitt aus Willi Bredels „Ein neues Kapitel“, wo Bredel schildert, wie Peter E im Nachkriegs-Rostock die Geschichte „Der Bien muss“ (Anekdote über Fritz Reuter, Anwendung auf 1945 – Druck der ersten Lebensmittelkarten für Rostock) erzählt. Aus „Autoren geben einen Verleger heraus“, dem von Ehm Welk angeregten Geschenkband zum 75. Geburtstag von Peter E, hörten wir Auszüge aus einem Brief von Curt Goetz (Einige meiner Wunschträume: Noch einmal mit Dir zu saufen, Dir nur zuzuhören, beinahe nicht alles zu glauben). Goetz hatte 1907 in Rostock sein Bühnendebüt als Schauspieler, Peter E regte ihn zum Schreiben an und druckte 1929 die Erstausgabe von dessen „Dr. med. Hiob Prätorius“ in seinem Verlag.
Weitere Erinnerungen steuerten Familie Kellner (Kognakflasche am Grabe), Frau Jastram (Kinder kauften Schifferberg 10), Frau Dillwitz und Herr Saatmann bei. Dazu kamen Materialien aus dem Hinstorff-Archiv, die ich in Rostock gesichtet hatte, auch einige Fotos und Zeichnungen. Insgesamt ergab sich im angeregten Gespräch ein facettenreiches Bild: in ärmsten Verhältnissen in Schwedt an der Oder aufgewachsen, nach einer Buchdruckerlehre in die Welt gezogen, erste journalistische Arbeiten, Redaktionsarbeit in einer Lokalzeitung an der Unterweser, Redakteur/auch „Sitzredakteur“, 1907 Kauf der Hinstorffschen Druckerei, 1925 auch des Verlages, Erfolge mit Reuters Werken, Wossidlo Erstausgabe, Hochschulliteratur und -zeitschriften, nord- und niederdeutscher Belletristik, „Mecklenburgische Monatshefte“ (1925 bis 1930 von Gillhoff herausgegeben, 1936 wegen kritischer Einstellung von Peter E zu den neuen Machthabern dem Verlag entzogen), in Nazizeit immer wieder Hilfe für Juden und andere Verfolgte, 1942 Zerstörung von Verlag und Druckerei bei Bombardierung Rostocks, Neuanfang 1945, Eintritt in die KPD, Kulturbundarbeit in Rostock und Ahrenshoop (1925 Haus Schifferberg 10 gekauft, Vorbesitzer Friedrich Wachenhusen), „ungekrönter König des Fischlandes“ (Zitat von Meyer-Scharffenberg), Entwicklung und Herausgabe neuer Heimatbücher, langjährige Zusammenarbeit mit Käthe Miethe, Fritz Koch-Gotha, Arnold Klünder, Georg Hülsse, Gerhard Marcks.


