Adolf Miethe – ab 1902: Farbphotographien vom Fischland

mit Gisela und Dr. Helmut Seibt, Wustrow


Seine „Dame mit dem roten Sonnenschirm“ vom Frühjahr 1902 war nicht nur die erste Aufnahme nach der „Dreifarbenphotographie – System Adolf Miethe“, begeisterte nicht nur Wilhelm II. und seine Umgebung, das qualitativ neuartige Verfahren war ein Paukenschlag in der Geschichte der Fotografie, das spätestens seit der Weltausstellung 1904 in St. Louis die ganze Welt kannte.

Hier sollen seine auf dem Fischland gemachten Aufnahmen im Mittelpunkt stehen, die als Rotophot-Postkarten weit verbreitet waren und heute noch unter Sammlern sehr beliebt sind.


Krankheit kann man nicht planen. Als uns Cornelia Crohn über ihren Gesundheitszustand informierte, mussten wir umplanen, konnten aber die Änderung für den anstehenden Stammtisch noch rechtzeitig auf diesem Weg hier mitteilen, auch an die Ostsee-Zeitung, wenn diese dann auch letztlich keinen Platz zum Abdrucken fand.

Vielleicht war der dunkle Novemberabend mit seinem Wetter auch ein Grund dafür, dass wir uns in einer Runde von 14 zusammenfanden, von denen 2 Urlauber die Themenänderung vorher nicht erfahren hatten.

Wir stellten diesmal den Vater von Käthe Miethe mit seiner „Naturfarbenphotographie – System Adolf Miethe“, wie dieser sein Verfahren in Abgrenzung zu anderen nannte, mit seinen Farbphotographien vom Fischland in den Mittelpunkt. Nach kurzen Erläuterungen zu diesem Verfahren, das Ende 1901 praxisreif geworden war, zeigten wir in einer Powerpointpräsentation insgesamt 92 Aufnahmen, die Miethe ab 1902 hier auf dem Fischland gemacht hat, beginnend mit der „Dame mit dem roten Sonnenschirm“, mit deren Veröffentlichung im Juni 1902 Miethe in die Geschichte der Photographie eingegangen ist.

Uns Heutigen kam auf diesen Bildern manches noch vertraut vor. Die Ostsee, das Fischland und der Bodden als Hintergrund waren damals natürlich nicht viel anders als jetzt. Dagegen haben sich die alten Büdnereien zum Teil schon wesentlich geändert. Die Nachbarbüdnerei von Miethes B 10, die von Dora Stetter damals als „Rotes Haus in Althagen“ gemalt wurde, hat dagegen sogar die Farbe behalten; in der Geschichte der Malerei nimmt das Bild bis heute einen besonderen Platz ein. Das Miethebild von der Ahrenshooper Mühle, die vor einigen Jahren wiedererstanden ist, haben wir beim Weihnachtsstammtisch in der Mühle Familie Köppke überreicht. Die Strandbilder zeigen uns manches, was wir heute nicht mehr kennen. Die Badeanstalten sind verschwunden. Von den Buhnen, die zu Miethes Zeiten, wie die Bilder zeigen, am Hohen Ufer längs zur Küste gebaut waren, finden sich gelegentlich nur noch unterirdische Reste. Strandkörbe haben sich dagegen wenig verändert. Den abgebildeten Menschen können wir heute natürlich nicht mehr begegnen, bisweilen gab und gibt es aber überraschende Wiedererkennungen. So entdeckte zum Beispiel Else Neither auf einem Bild ihre Mutter, die mit der Familie Miethe seinerzeit als Köchin aufs Fischland gekommen war. Ob dagegen Selma Fischer die „Dame mit dem roten Sonnenschirm“ war, beantwortete uns vor Jahren Marianne Clemens nur mit einem Lächeln und schwieg ansonsten. Rudolf Ziel, ihr Vater, berichtet in seinen Erinnerungen von einer heftigen Affäre mit Selma Fischer, die er aber beenden musste. Er heiratete dann doch Otty Kaysel, wodurch das Schweigen der Tochter zu verstehen ist. An einigen Stellen ergänzten wir die Bildbetrachtung mit dem Lesen kurzer Texte aus Adolf Miethes Lebenserinnerungen und aus dem Fischlandbuch bzw. dem Beitrag „Steinzeitfieber“ von Käthe Miethe.

Zum Schluss verteilten wir einen Flyer mit dem Jahresprogramm 2019 und einem Rückblick auf alle bisherigen Stammtische, den uns Arnt Löber am Vortage rechtzeitig bringen konnte. Für die entstandenen Kosten baten wir um eine Spende.


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