mit Jörg-Peter Hülße und Prof. Dr. Christel Hülße, Rostock
Nachdem wir uns in früheren Stammtischen mit Herbert Bartholomäus, Fritz Koch-Gotha und Arnold Klünder beschäftigt haben, wobei wir uns besonders für deren Arbeiten als Buchillustratoren zu Käthe Miethes Fischlandbüchern interessierten, wollen wir diesmal Georg Hülsse in den Mittelpunkt rücken, der ebenfalls vielfältig mit dem Werk von Käthe Miethe verknüpft ist. Er illustrierte einige ihrer Bücher. Beider Zusammenarbeit mit dem Hinstorff-Verlag währte Jahrzehnte.
Georg Hülsse (1914 – 1996) war zunächst als Gebrauchs- und Werbegrafiker tätig, für das Theater Putbus und insbesondere für das Volkstheater Rostock gestaltete er lange Zeit Programmhefte und Plakate, er hinterließ aber auch ein umfangreiches fotografisches Werk und es gibt vor allem aus seinem letzten Lebensjahrzehnt zahlreiche Aquarelle, die immer wieder Landschaften, Blumen- und Gartenmotive zum Inhalt haben.
Vielen von uns ist sicherlich die große Ausstellung zum 100. Geburtstag von Georg Hülsse im Ahrenshooper Kunstkaten noch in lebhafter Erinnerung.
Wir freuen uns ganz besonders, dass wir beim Stammtisch Peter Hülsse begrüßen können, der uns das Werk seines Vaters vorstellen wird. Außerdem haben wir Alfried Nehring eingeladen, den Autor des Buches zur Hülsse-Ausstellung von 2014.
Das Fundstück dieses Monats „Figaro in der Schalldose“ von 1924 erinnert an die erste deutsche Radioübertragung einer Oper.
Zum „Vorbereitungs-Kaffeetrinken“ treffen wir um am Montag, dem 14.11., um 15 Uhr in Malchens Café.
Mit Superlativen sollte man zwar vorsichtig umgehen, wir erlebten diesmal aber gleich mehrere: Es wurden wieder einmal die Stühle knapp, da sich 35 Einheimische und Isenbahner einfanden; die Zeit wurde uns nicht lang, wir blieben 2 ½ Stunden beim Thema; das Vorgetragene und Diskutierte machte uns mit Leben und Werk von Georg Hülsse sehr vielseitig bekannt, woran Christel und Jörg-Peter Hülsse einen großen Anteil hatten, zunächst mit einem sehr informativen und durch manche kleine Geschichten angereicherten Überblick und dann in vielen Einzelgesprächen an den Tischen.
Es entstand vor uns wieder das Ahrenshoop der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Als der Vater spät aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, lebt die Familie schon einige Jahre im Dorf. Sohn Jörg Peter wird zu Hause geboren, Doktor Meyer kam. „Hülße“ oder „Hülsse“, wie der Vater sich bald schrieb, wurde für den Sohn erst bei der Hochzeit im Standesamt wichtig.
Georg Hülsse beginnt ein Berufsleben als Gebrauchsgrafiker. Davon zeugen heute noch zahlreiche Mappen mit damaligen Arbeiten, in denen wir blättern konnten und in denen wir oft Etikette für Erzeugnisse der Lebensmittel- und Getränkeindustrie fanden, die wir aus der damaligen Zeit noch kannten. Eine Entdeckung: die heutigen Flaschen des „Falkenthal Zinnaer Klosterbruders“ haben offenbar immer noch das Hülssesche Etikett. Von den über 400 Theaterplakaten und Programmheften für die Theater in Putbus und Rostock sahen wir ebenfalls zahlreiche Fotos in Sammelmappen. Von den Farbfotografien, mit denen Georg Hülsse über viele Jahre den Urlaubern Eindrücke von Land und Leuten vermittelte, konnte Peter Hülsse in tätiger Mithilfe der Anwesenden auf den mitgebrachten großformatigen Abzügen manchen „alten Ahrenshooper“ identifizieren. Ein produktiver Stammtisch! Sein Vater, der in den letzten Lebensjahren seine Arbeiten ordnete und systematisch erfasste, hätte sich über diese nachträglichen Ergänzungen sicherlich gefreut. Von den Hülsseschen Aquarellen aus seiner letzten Schaffensperiode gewannen wir durch die Reproduktionen aus dem Buch von Alfried Nehring einen Eindruck, das er 2014 zur Ausstellung zum 100. Geburtstag von Georg Hülsse veröffentlicht hatte.
Einige von Christel Hülsse gelesene Texte vervollständigten die Präsentation: Käthe Miethe hatte 1959 über Georg Hülsse in der Zeitschrift „Die neue Werbung“ geschrieben – diesen Artikel hatten wir vor einiger Zeit als Fundstück 6 in der Serie „Aus Käthe Miethes Feder“ wieder zugänglich gemacht; Hanns Anselm Perten würdigte in einer Laudatio zum 60. Geburtstag Hülsse als langjährigen Mitarbeiter des Volkstheaters Rostock; Friedrich Schulz gratulierte zum 75. Geburtstag.
Die oben schon erwähnten kleinen Geschichten waren – wie immer – die besondere Stammtisch-Würze. Sohn Peter hatte gelegentlich Arbeiten seines Vaters auf den Schifferberg zu Peter E oder nach Althagen zu Käthe Miethe zu bringen. Er kann heute noch viel davon erzählen. Mit der Geschichte von den sieben Zahnbürsten, die im Strandsand steckten und auf die Seeschlagen warteten, die einmal im Jahr an Land kämen, lernten wir dabei ein weiteres Beispiel unerschöpflicher Fabulierkunst von Peter E kennen.


