mit Markus Reiche, Ahrenshoop/Niehagen
Eines der großen Volksfeste auf dem Fischland, Jahrzehnte alt, heute in neuer Blüte stehend.
So kann man diese Feste, die jährlich Tausende anziehen und begeistern, beschreiben. Nun gibt es sie schon über 100 Jahre, allerdings mit Unterbrechungen, die letzte war pandemiebedingt.
Markus Reiche kann nicht nur über das jährliche Tonnenabschlagen auf der Festwiese berichten, er kann uns auch mitnehmen in das Vereinsleben der Tonnenbrüder und -schwestern in den anderen Monaten des Jahres.
Standarten, Fahnen und Wimpel in Malchens Café – der Tonnenbund Ahrenshoop-Althagen-Niehagen war zu Gast. Das hatte 28 Gäste angelockt, die mit dem Wahlspruch, der die eine Standarte schmückt, „Hoch Fischlands Ehr und Sitte und alter Feste Brauch“ gleich in das Vereinsleben einbezogen wurden.
Hauptmann Markus Reiche und Frank Krull, beide mehrfache Träger der Königswürde, gaben einen ausführlichen und lebendigen Einblick in das Vereinsleben, den weitere Tonnenbrüder und -schwestern, die im Publikum saßen, noch ergänzten. Derzeit zählt der Verein 99 Mitglieder.
Die Geschichte des Tonnenreitens im heutigen Ahrenshoop ist vielgestaltig. In seiner Geschichte beruft sich der heutige Bund darauf, dass er kurz nach dem Kriege 1920 wieder ins Leben gerufen wurde, vor zwei Jahren also sein hundertjähriges Bestehen hatte. Zeitweise bestanden in den einzelnen Ortsteilen eigenständige Tonnenbünde. Daraus erklärt sich, dass es fünf Fahnenreiter gibt und dass beim Tonnenabschlagen auch stets zwei Fahnen gehisst werden, die mecklenburgische und die vorpommersche.
Der Neubeginn nach dem zweiten Weltkrieg endete 1971 mit dem Beschluss, das Tonnenabschlagen mangels aktiver Reiter (nur noch 8) und ungenügendem Pferdebestand einzustellen, außerdem sei die nötige Begeisterung und Unterstützung ungenügend. In seiner heutigen Form gibt es das Tonnenabschlagen wieder seit 1983. Als Besonderheit gilt, dass nur zwei Könige gekrönt werden, der Stäben- und der Tonnenkönig. Einen Bodenkönig gibt es in Ahrenshoop nicht.
Jeweils am dritten Wochenende im Juli findet auf dem Festplatz in Althagen das jährliche Tonnenabschlagen statt, dessen Vorbereitung und Ablauf festen Regeln folgt, alle Vereinsmitglieder und freiwilligen Helfer haben eine umfangreiche Arbeit zu absolvieren: Die Eichenzweige für die Girlanden müssen in einem vom Förster zugewiesenen Waldstück geworben werden, die Girlanden sind zu binden, der Platz ist herzurichten, die Umzüge durch das Dorf sind vorzubereiten, die Könige werden abgeholt, zum Schluss reitet man vom Hof des Tonnenkönigs zum Festplatz, angeführt vom Hauptmann und mit der Original Mecklenburgisch-Vorpommerschen Blaskapelle aus Ribnitz, so wie es 1927 schon Käthe Miethe in der DAZ beschrieben hat.
In zahlreichen Fragen zeigte sich das Interesse der Anwesenden an vielen Details des Tonnenabschlagens, das 2016 in das „Bundesweite Verzeichnis immaterielles Kulturerbe“ aufgenommen wurde.
Als Dank überreichten wir dem Tonnenbund ein Exemplar von „Fischland, Meer und Bodden“, in dem sich der Beitrag von Käthe Miethe mit Illustrationen von Fritz Koch-Gotha findet, wie er 1933 in den Mecklenburgischen Monatsheften erschienen ist.


