Erinnerungen an Begegnungen in einer Althäger Büdnerei


Wir waren an diesem Abend seine Geburtstagsgäste. Was am Anfang noch geheimgehalten wurde: Dr. Reimund Frentzel feierte heute seinen 85. Geburtstag. Den Termin der Lesung hatte er bewusst so gewählt. 58 waren gekommen, um seine Erinnerungen an all die Jahre zu hören, die er sommers immer wieder in Ahrenshoop verbrachte. Christian Steyer, ein langjähriger Freund, setzte sich ans Klavier und spielte zum Auftakt eigene Kompositionen, später kamen kurze Texte dazu, auch ein eigenes Gedicht. Blanche Kommerell setzte den Schlussakkord, indem sie mit eigenen Texten den Jubilar würdigte. Eine schöne Geburtstagsrunde, bei der ein Blumenstrauß auf dem Tisch stand und bei der es recht ungezwungen zuging.

Dr. Frentzel bot uns viele Denk- und Merkwürdigkeiten, die sich um die B 67a in Althagen und dessen damaligen Besitzer Paul Tack ranken und die er in seinem Buch festgehalten hat, auf meist humorige Art.

Vieles tauchte dabei aus alten Ahrenshooper Tagen wieder auf, was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Unterkunft in einem Ziegenstall, schlafen auf einer Matratze, zum Zähneputzen ins Kurhaus. Zweifelloser Höhepunkt waren aber die Berichte über das Suchen einer Unterkunft, die Unterhandlungen mit Paul Tack über den Verkauf und schließlich über alle bürokratische Verästelungen der Kaufprozedur selbst. Käufer und Verkäufer hatten dabei mit all den Dingen zu tun, die einem auch heute noch in diesem Zusammenhang begegnen, wenn es auch den Anschein hat, dass die derzeitige bundesrepublikanische Bürokratie noch eine Schippe draufgelegt hat. Dabei hat die als Kaufgrund eingetragene Absicht einer dermaleinstigen Niederlassung des als freischaffender Schriftsteller tätigen Käufers, was in dieser Formulierung tatsächlich akzeptiert wurde, seinen eigenen Geschmack. Für uns Heutige nicht mehr vorstellbar ist auch die Art und Weise, wie beim Notar der Kaufpreis festgelegt wurde, über den zuvor Käufer und Verkäufer überhaupt nicht gesprochen hatten.

Das Haus wurde umfassend saniert, Paul Tack, der sich dabei gelegentlich auch einbrachte, bekam sein Wohnrecht auf Lebenszeit zugesichert. Er starb 1980, in seinem 80. Lebensjahr. Die B 67a erinnert heute noch an ihn, den Zimmermann und Rohrdachdecker, unverheiratet und kinderlos, wortkarg, den man im Dorf immer nur mit seiner weißen Schirmmütze antraf.

1975 hat Dr. Reimund Frentzel die Büdnerei erworben und sie mit neuem Leben erfüllt. Darüber ist in seinem Buch „Dermaleinst Ahrenshoop“ ausführlich nachzulesen.

Eins der gezeigten Fotos wird wohl in besonderer Erinnerung bleiben: Im legendären Gropiuszimmer im damaligen Bauhaus in Weimar diskutieren heutige Studenten mit Guenter Roese Entwürfe für das künftige Ahrenshooper Kunstmuseum. Dr. Frentzel gab uns damit einen Einblick in die „Urgeschicht“ dieses inzwischen Wirklichkeit gewordenen Baus, in dessen Atrium wir uns gerade versammelt haben. Geschichte pur. Danke!

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