Johannes Gillhoff – Leben, Werk und Wirkung

mit Hartmut Brun, Polz



Gillhoff in Parchim und Wossidlo in Waren begannen im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts etwa gleichzeitig mit dem Sammeln niederdeutscher Ausdrücke, Redensarten, Sprichwörter und Rätsel. Wossidlo blieb der Volkskunde treu, Gillhoff wandte sich zunehmend der Literatur zu. Nach seiner Pensionierung gab er seit 1925 bis zu seinem Tode im Hinstorff-Verlag die ersten sechs Jahrgänge der Mecklenburgischen Monatshefte heraus.


Hoffentlich ist diese lange Durststrecke endgültige Vergangenheit! Zum letzten Stammtisch konnten wir uns im Februar vergangenen Jahres versammeln. Hätte uns die Pandemie unsere Pläne nicht so gründlich verhagelt, wären wir inzwischen beim 70. Stammtisch, so wurde es der 55.

Eingeladen wie immer, nur die Lokalpresse hatte ein lokales Problem mit unserem Stammlokal, das wir aber noch rechtzeitig ausbügeln konnten, fanden sich 20 Teilnehmer zur gewohnten Zeit an der gewohnten Stelle in, sodass die Corona-Regeln problemlos eingehalten werden konnten. Ein Wiederanfang.

Das Thema hätten wir in keine besseren Hände geben können, Hartmut Brun aus Polz, der seit 2000 der Johannes-Gillhoff-Gesellschaft vorsitzt, nahm uns mit in die Griese Gegend, brachte uns Gillhoff als Menschen in all seinen Facetten näher, als Lehrerkind, als Lehrer, als Lehrerbildner, als Autor und als Herausgeber.

1888 beginnt Gillhoff mit dem Sammeln niederdeutscher Ausdrücke, Redensarten, Sprichwörter und Rätsel. Wossidlo, der einige Jahre vorher im selben Metier tätig wurde, sieht einen Konkurrenten in Gillhoff, der seine Ergebnisse eher publiziert. Die Zusammenarbeit bricht ab, Wossidlo bleibt bei der Volkskunde, Gillhoff wendet sich der Literatur zu. Seine 1905 erschienenen „Bilder aus dem Dorfleben“ sind derzeit nur in Bibliotheken oder antiquarisch zu bekommen.

Es muss schlimm gewesen sein, wenn in den 53 Jahren, die sein Vater in Glaisin Lehrer war, 350 Einwohner nach Amerika auswandern mussten, da sie zu Hause kein Auskommen mehr fanden. Aus Briefen dieser Mecklenburger an ihren ehemaligen Lehrer gestaltete dessen Sohn den Roman „Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer“, der 1917 erschien, zahlreiche Auflagen erlebte, die bisher letzte 2006 im BS-Verlag, inzwischen sogar im Internet kostenfrei in voller Länge lesbar ist (https://www.projekt-gutenberg.org/gillhoff/swehn/swehn.html).

Als 1925 die Mecklenburgischen Monatshefte bei Hinstorff erscheinen, hat Peter E Gillhoff als Herausgeber gewonnen, das bleibt dieser auch bis zu seinem Tode im Jahre 1930. Die Monatshefte als „Zeitschrift zur Pflege heimatlicher Art und Kunst“ (digitalisiert unter: https://lhwis.gbv.de/DB=2/XMLPRS=N/PPN?PPN=571610609) werden unter Gillhoffs Händen zu einer heute noch unübertroffenen Fundgrube zahlreicher Mecklenburgica, was in der Folgezeit leider nicht aufrechterhalten werden kann, Peter E muss 1936 die Herausgabe der Hefte an den regimetreuen Niederdeutschen Beobachter abgeben, wo sie noch bis 1943 erschienen, unter anderem Namen.

Durch zahlreiche Bilder waren wir mit Hartmut Brun u.a. im heutigen Museum Gillhoff-Stuv in Glaisin, wir hörten einige Auszüge aus dem Missingsch geschriebenen Jürnjacob Swehn und versuchten uns im Lösen von Rätseln.


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