Lesung und Gespräch mit Christian Voß, Rostock
Mitte des 19. Jahrhunderts ist Zacharias Bräsig auf dem (fiktiven) Gut Warnitz im Mecklenburgischen Inspektor. Er erlebt die Not der Menschen auf dem Land, die in finanzielle Schieflage geraten, und setzt sich für sie ein.
Reuters Bräsig hat sowohl das Gemüt eines Kindes als auch das feste Wesen des Mannes. Nur die Äußerlichkeiten seines Wesens wollte Reuter komisch erscheinen lassen.
Freuen wir uns auf die Vorstellung dieses „Minschen mit Hart“, der eben „mihr as´n Unikum“ war, durch Pastor Voß, einen exzellenten Kenner des Reuterschen Werkes.
Es war wieder ein weitestgehend plattdeutscher Abend, wieder ging es um Fritz Reuter. Dazu konnten wir erneut Christian Voß aus Rostock begrüßen, der diesmal auch seine Frau mitbrachte. Es war eine kleinere Runde, 17 Interessierte kamen.
Aus der „Stromtid“ stellte uns Christian Voß diesmal Unkel Bräsig vor, den Gutsinspektor Zacharias Bräsig, der auf dem fiktiven Gut Warnitz lebt. In den gelesenen einzelnen Episoden lernten wir ihn als „Minsch mit Hart“ kennen, nicht als Unikum, wie er gelegentlich dargestellt wird. Da Christian Voß zwischen den einzelnen Textstellen die Handlung erläuterte, damit wir uns in und um Warnitz nicht verirren, gelang ihm ein Gesamtbild der damaligen Zeit. Reuter hatte seine Romanfiguren oft mit Eigenschaften lebender Zeitgenossen ausgestattet, Eigenschaften, die auch in unseren Tagen noch anzutreffen sind.
Die nebenstehende Skizze aus der 7-bändigen Reuterschen Werkausgabe von Wilhelm Seelmann, die im Bibliographischen Institut Leipzig/Wien erschien, regt vielleicht zu weiteren Spaziergängen um das Jahr 1840 an, im Mecklenburgischen, wo wir durchaus auf den schlaunen, loyalen und resoluten Gutsinspektor treffen können.
Dann sollten wir uns aber auch mit ihm in der schönen Sprache unterhalten, die damals gesprochen wurde, vielleicht versuchen wir uns auch einmal im damaligen Gebrauch von Dativ und Akkusativ, was für heutige Ohren absolut „falsch“ klingt.



