Lesung und Gespräch mit Ingelore Helbig, Dresden
Die Dresdener Malerin Louise Elisabeth Andrae stellte 1909 im Kunstkaten aus. Sie war in den Sommermonaten oft an der Ostsee. 1919 trat sie in den Hiddensoer Künstlerinnenbund ein, den Henni Lehmann im selben Jahr gegründet hatte und der bis 1933 existierte. Künstlerinnen hatten dort
einen eigenen Bund und auch ein eigenes Ausstellungsgebäude, die Blaue Scheune. Das war einmalig.
Die in Vergessenheit geratene Malerin erfährt erst in den letzten Jahren eine größere Aufmerksamkeit. Einen wesentlichen Anteil daran hat Ingelore Helbig. Vieles konnte inzwischen zusammengetragen werden. Wir freuen uns auf die Vorstellung einer Malerin, deren Werk u. E. auch aus heutiger Sicht von Interesse ist.
Um eine Künstlerin sollte es an diesem Abend gehen, eine heute weitgehend unbekannte, im Kunstmuseum, dem dafür passenden Ort. Dafür interessierten sich 38 Tielnehmer. Toll!
Ingelore Helbig aus Dresden hat in aufwendiger Arbeit über viele Jahre Beachtliches über Louise Elisabeth Andrae (1876 – 1945) zusammengetragen, einer Malerin aus Dresden, die aber auch an der Ostsee ihre Malorte hatte, weniger in Ahrenshoop, mehr auf Hiddensee. In Ahrenshoop war sie z.B. 1909 mit einer Arbeit an der Ausstellung zur Eröffnung des Kunstkatens beteiligt.
Ihre künstlerische Ausbildung erhielt Elisabeth Andrae in Dresden und in Karlsruhe.
Auf www.elisabeth-andrae.de hat Ingelore Helbig viel über Leben und Werk der Künstlerin zusammengetragen, worüber sie ausführlich berichtete, begleitet von einer umfänglichen Powerpointpräsentation mit zahlreichen Skizzen, Zeichnungen und Gemälden.
Die o.g. Internetseite gibt einen Überblick über die derzeit bekannten Werke von Elisabeth Andrae, hunderte. Dort findet sich auch der Eintrag vom 10.08.1909 über eine Segeltour mit Hugo Jaeckel, Adolf und Marie Miethe von Althagen nach Hiddensee, mit einer Übernachtung im Gasthaus Gau in Kloster.
Elisabeth Andrae war nicht verheiratet, entstammt aber einer großen Familie. Sie hatte 4 Geschwister. Ihr älterer Bruder Walter leitete in Berlin von 1928 bis 1952 der Vorderasiatische Museum als Direktor. Seine Ausgrabungen in Babylon, Assur, Uruk hatten u.a. zur Folge, dass aus hunderten Kisten mit den Bruchstücken glasierter Ziegel das Ischtar-Tor der Stadtmauer von Babylon rekonstruiert werden konnte. Gearbeitet wurde dabei in Berlin nach Aquarellen von Walter Andrae, die dieser bei den Ausgrabungen von Robert Koldewey zwischen 1899 und 1902 angefertigt hatte. Im neu errichteten Pergamonmuseum konnte Walter Andrae dann die Rekonstruktionen des Tores und der Prozessionsstraße mit den zusammengesetzten Originalziegeln aus der Zeit Nebukadnezars II zeigen. Wenn sie Antipatros von Sidon (Ende 2. / Beginn 1. Jh.v.Chr.) nicht aus der ursprünglichen Liste der sieben Weltwunder gestrichen hätte, da sie schon verfallen waren, und durch den Leuchtturm von Alexandria ersetzte, wären sie heute noch eines der antiken Weltwunder. Von Elisabeth Andrae gibt es in Berlin in den Sälen 2, 6 und 10 sieben großflächige Wandbilder von den Ausgrabungsorten, womit sie damals einem breiten Publikum bekannt wurde.
Saddam Hussein (1937-2006) ließ in Babylon eine Kopie der Berliner Rekonstruktion errichten, die im Irakkrieg 2003 weitestgehend durch US-Militär wieder zerstört wurde.


