Eine fünfteilige Hommage zum 125. Geburtstag

Teil 3: Journalistin mit Beiträgen im deutschen Feuilleton der 1920-er bis 1950-er Jahre

mit Gisela Seibt und Dr. Helmut Seibt, Wustrow



Die journalistische Arbeit stand im Schaffen Käthe Miethes am Anfang. Lange Jahre erschienen von ihr regelmäßig Beiträge in der Deutschen Allgemeinen Zeitung, mit der sie auch beruflich verbunden war. Eine andere regelmäßige Zusammenarbeit entwickelte sich mit den Mecklenburgischen Monatsheften, die Peter E seit 1925 in seinem Hinstorff-Verlag herausgab. Die Themen deckten dabei ein breites Spektrum ab, immer wieder wandte sie sich Fragen zu, die das Fischland und Mecklenburg betrafen.


Der 3. Teil der Hommage, der die journalistische Arbeit von Käthe Miethe beleuchtete, fand wieder mehr Interesse. An diesem schönen Sommerabend fanden sich 14 Teilnehmer, darunter wieder mehrere Urlauber, am großen Tisch vor der Käthe-Miethe-Bibliothek ein.

Nach einem Überblick über die am Ende des 1. Weltkrieges begonnene Arbeit für das Feuilleton deutscher Zeitungen und Zeitschriften, die Käthe Miethe in all ihren Lebensjahrzehnten fortsetzte und die bei weitem nicht nur die in der Vergangenheit immer wieder nachgedruckten Beiträge umfasst, in denen sie sich mit der Vergangenheit und Gegenwart des Fischlandes beschäftigt, lasen wir drei: Ribnitz am Bodden (1919), Wasser von allen Seiten (1928), Meine Mitbewohner (1940).

Eine vollständige Übersicht über das journalistische Schaffen von Käthe Miethe, das mehrere hundert Beiträge umfasst haben muss, wird heute wohl nicht mehr erreichbar sein. Die derzeit bekannten Beiträge sind auf unterschiedlichen Wegen auf uns gekommen und an unterschiedlichen Stellen verfügbar. In einer Bibliographie haben wir im Laufe der Zeit über 100 Einzeltitel erfasst. Seit Juli 2014 publizieren wir in der Reihe „Aus Käthe Miethes Feder“ (www.seniorenbeirat-wustrow.de und 7 in Wustrow und Ahrenshoop ausliegende Lesemappen) monatlich jeweils ein „Fundstück“. Außerdem hat Cornelia Crohn in mehrfachen Auflagen ein Buch mit Beiträgen von Käthe Miethe herausgegeben, die sich nach Jahrzehnten in der B 54 auf dem Dachboden fanden, Friedhelm Reinhard aus Wieck hat bisher 47 Zeitungen und Zeitschriften ermittelt, in denen Käthe Miethe publizierte. Ich habe in der Sammlung von Briefen der Familie Miethe, die bisher in zwei Auflagen erschienen ist, ebenfalls einige dieser Beiträge aufgenommen.

In unserer Diskussion zeigte sich, dass wir die journalistische Arbeit von Käthe Miethe wohl zu fokussiert auf das Fischland gesehen haben. Besonders während ihrer jährlichen Sommerfrische-Aufenthalte von Juni bis September berichtete sie aus Althagen. Ihre Arbeiten über Berlin, ihre Reiseberichte aus Norwegen und zur Frauenbewegung, die Renate Drefahl auf etwa 100 beziffert, sind weitestgehend noch nicht „gehoben“. Ebenso steht es um ihre Buchbesprechungen zu in- und ausländischen literarischen Strömungen der damaligen Zeit. Je mehr diese Arbeiten wieder vor unsere Augen treten werden, desto mehr werden wir wohl Hochachtung vor der Größe und Vielfalt auch der journalistischen Komponente in der Tätigkeit dieser vielseitig gebildeten, rast- und ruhelos tätigen Frau empfinden.

Friedhelm Reinhard berichtete über Käthe Miethes Weg zum Journalismus und beleuchtete kurz die Entwicklung der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“, in der sie regelmäßig ihre Beiträge veröffentlichte. Die DAZ war neben dem Berliner Tageblatt, der Vossischen Zeitung und der Frankfurter Zeitung in den Jahrzehnten des deutschen Kaiserreichs und der Weimarer Republik eine der international bekanntesten und renommiertesten deutschen Zeitungen.

Bedauerlich sei, dass der heutige Wiederabdruck einiger Beiträge von Käthe Miethe über das Fischland in dem Buch „Die Dinge kommen“ (2.+3. Auflage von „Im Dorf ist die Welt groß“), fehlerhaft, gekürzt oder „bearbeitet“ erfolgte. Beispiele, die Friedhelm Reinhard dafür anführte, sind:

– „Die Welt im Dorf ist groß“ mit Textverlust und Abschreibfehler gegenüber dem Original;

– „Sind wir selbständig geworden?“, wo die Gesprächsteilnehmerinnen nicht genannt werden, das Gespräch auf die Hälfte gekürzt und die Teilnehmer „die Eine“ und „die Andere“ vertauscht werden, das Ende wird schließlich umgeschrieben;

– „Teneriffa“ mit ebenfalls auf die Hälfte gekürztem Text und neuem Titel (Originaltitel: „Frauenleben auf Teneriffa“) und falscher Quellenangabe (richtig ist: Vobachs Frauenzeitung, Leipzig, nicht Dobachs), die fünf Aufnahmen, die Käthe Miethe dem Text beifügte, entfallen leider.

Das Verstehen eines Menschen und der Zeit, in der er gelebt hat, ist uns Nachgeborenen im vorliegenden Fall von Käthe Miethe kaum noch durch Zeitzeugen möglich – wer will heute noch zwischen Angaben über Wodka- , Champagnerflasche oder Wasser für Märzenbecher unterscheiden, zumal es auch noch weitere mündliche Berichte über den 12.03.1961, den Todestag von Käthe Miethe, gibt. Das Verstehen wird sich zunehmend aus dem schriftlichen Nachlass ergeben müssen. Mit dem sollten wir dann aber immer ehrlich umgehen. Die hier in Rede stehenden journalistischen Beiträge sind in ihrer Länge derart kurz, dass man sie bei der Wiedergabe nicht kürzen sollte, auch nicht bearbeiten. Wenn bei einer Bearbeitung dann im Vergleich zum Original eine Aussage unkommentiert auch noch zu ihrem Gegenteil wird, wie sich bei einem Beispiel zeigte, rief das in unserer Diskussionsrunde Befremden hervor.

Zum Diskutieren hätten wir uns an diesem Abend noch mehr Teilnehmer gewünscht. Halten wir es mit Theodor Fontane: Es liegt noch ein „weites Feld“ vor uns, suchen und diskutieren wir also weiter und versuchen dabei bei Unterschieden aus These und Antithese zur Synthese zu kommen.


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