Lesung und Gespräch mit Joachim Puttkammer, Graal-Müritz
Im heutigen Ostseeheilbad Graal-Müritz, das in früheren Zeiten noch aus den selbstständigen Orten Graal und Müritz bestand, finden sich die Spuren zahlreicher Schriftsteller. Als profunder Kenner der dortigen Vergangenheit und Gegenwart stellt uns Joachim Puttkammer, der von 1993 bis 2004 Pastor der evangelischen Gemeinde Graal-Müritz war und der heute noch dort lebt, u.a. Franz Kafka (1883-1924), Erich Kästner (1899-1974) und Kurt Tucholsky (1890-1935) vor, die oft hierher an die Küste reisten.
Die Rostocker Heide und das Fischland können als Nachbarn gelten. In die Heide und an ihren schönen Meeresstrand zog es in der Vergangenheit besonders viele Literaten, sodass es auch dort vom Gestern und Heute dieser Spezies manches zu berichten gibt.
Ob die Schriftsteller nun in Graal oder in Müritz oder in Graal-Müritz urlaubten oder arbeiteten, davon wusste Joachim Puttkammer als profunder Kenner viel zu berichten. Auf seiner Liste standen wohl 20 Namen, zu denen ihm manches einfiel, was man so konzentriert gedruckt nicht nach Hause tragen kann. Bekannte Namen tauchten dabei oft in neues Licht, weniger bekannte standen am Ende des Abends plastisch vor uns. Da ging jeder der 25 Teilnehmer mit vielen neuen Eindrücken nach Hause, oft auch mit erworbenen Büchern des Vortragenden unterm Arm, die das Gehörte an der einen oder anderen Stelle weiter vertiefen werden. Gleiches erhoffen wir uns auch von den Büchern Käthe Miethes, die ebenfalls Käufer fanden.
Als besondere Höhepunkte erlebten wir den Vortrag einiger Texte der in Rede stehenden Schriftsteller, so z.B. den satirischen Aufsatz „Saisonbeginn an der Ostsee“ von Kurt Tucholsky, den dieser als Peter Panter am 11. Mai 1922 in der Weltbühne veröffentlicht hatte und wo der Landrat am Ende seiner Rede den Zylinder hebt und als Auftakt und Anfangssignal für die Sommerzeit 1922 ausruft „Hiermit erkläre ich die Ostsee für eröffnet!“
Vielleicht sollten wir uns mit dem einen oder anderen der vorgestellten Schriftsteller noch einmal etwas ausführlicher beschäftigen, z.B. mit Johannes Trojahn, dem langjährigen Chef des Kladderadatsch, Heinrich Seidel, der nicht nur mit seinem Leberecht Hühnchen großen Erfolg hatte, sondern auch als Ingenieur, oder aus unserer Zeit mit Walter Kempowski, dem nicht Vergessenen, oder dem einen oder anderen der Vergessenen.


