mit Jan Klünder, Althagen
Zum nächsten Stammtisch erwarten wir Althäger Besuch, auf den wir uns schon sehr freuen. Nachdem wir bei unserem ersten Gespräch bereits eine Zusage erhielten und in einem inzwischen geführten Telefonat noch einige Details absprechen konnten, wird uns Johann Klünder, der Enkelsohn von Fritz-Koch-Gotha, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir haben an dieser Stelle wohl die seltene Gelegenheit, manche Einzelheit aus dem Leben seines Großvaters zu erfahren, auch wenn er bei dessen Tod erst 6 Jahre alt war. Vater Arnold Klünder wird ihm auch manches erzählt haben, er kannte seinen Schwiegervaters ja wesentlich länger.
Herr Klünder wird uns auch Einblick in Originalarbeiten von Fritz Koch-Gotha gewähren, sodass ein weiterer Grund zur Freunde auf diesen Abend besteht.
Wir denken, dass der nächste Stammtisch hinreichend vorbereitet ist. Damit möchten wir das diesmalige „Arbeits-Kaffeetrinken“ für die kommende Woche zur Stammtischvorbereitung absagen.
Beginnen wollen wir wieder mit dem Lesen eines Textes von Käthe Miethe. Vielleicht koppeln wir das künftig immer mit dem aktuellen Fundstück, das unter „Aus Käthe Miethes Feder“ jeweils am 15. d.M. erscheint. In diesem Monat sind es die „Bootsphantasien“ aus dem Jahre 1931.
Wir wollten es kaum glauben! Als wir eine Viertelstunde vor Beginn kamen, waren bei Saatmanns schon die Stühle knapp. Fritz Koch-Gotha (1877-1956) hatte 35 Interessenten zur Stammtisch-Teilnahme angeregt, darunter auch „neue“ Einheimische und – wieder – Urlauber, längere Wege aus Rostock, Ribnitz und Zingst wurden nicht gescheut. Frau Rogalski brachte sogar ein Original von Fritz Koch-Gotha mit, das dieser der Familie geschenkt hatte und das nun schon Jahrzehnte gerahmt im Haus am Hohen Ufer hängt.
Fritz Koch-Gotha kam uns an diesem Abend in vielfältiger Form näher, nicht nur dass er uns gleich am Anfang mit dem bekannten Altersfoto begrüßte, das im Raum stand. Herr Klünder hatte schon einen Tag zuvor viel „Anschauungsmaterial“ in Malchens Café gebracht – Bücher und Originale, die im Verlauf des Abends von Tisch zu Tisch gingen, mit gegebener Vorsicht eingehend betrachtet werden konnten und immer wieder zu Gespächen anregten. Auf diese Weise entstanden zahlreiche kleine Stammtische, in unterschiedlichster Zusammensetzung. Jan Klünder war ein gefragter Gesprächspartner, ebenso Peter Hülsse, der mit seiner Frau aus Rostock gekommen war.
Es gab aber auch einen alle erfassenden Stammtisch. Jan Klünder erläuterte manche Details aus der zuvor kurz vorgestellten Biographie von Fritz Koch-Gotha. Von den Illustrationen zu Büchern von Käthe Miethe (Das Fischland – 1948, Auf großer Fahrt – 1956) und Gerhard Ringeling (Fischländer Volk – 1943) konnten anschließend Originale betrachtet werden.
Herr Klünder hatte auch zahlreiche Kinderbücher mitgebracht, die sein Großvater illustriert hat. Der Vergleich der Erstausgabe der legendären „Häschenschule“ mit heutigen Auflagen erbrachte interessante Ergebnisse. Die Kritik aus dem Feuilleton unserer Tage, die vor einer Nutzung des Buches für die Erziehung heutiger Kinder warnt, stieß dabei auf kein Verständnis.
Die jahrzehntelange Arbeit als Pressezeichner konnte an Hand der Sammelbände „Aus sorglosen Tagen“ (Ullstein 1913), „Gezeichnetes Leben“ (Eulenspiegel 1956) und „Fritz Koch-Gotha“ (Eulenspiegel 1971), die zum Teil mehrfach auf den Tischen lagen, verfolgt werden. Darunter fanden sich auch etliche Fischland-Zeichnungen.
Immer wieder gab es Einzelheiten zu hören, z.B. weshalb Tochter Barbara als Achtjährige am Strand eine bunte Haarschleife trug und wie das Fischländer Viergestirn von Illustratoren-Schriftsteller-Verleger (Fritz Koch-Gotha/Georg Hülsse/Käthe Miethe/Peter E.) mit Kinderaugen von Jan Klünder und Peter Hülsse wahrgenommen wurde.
Bis auf den heutigen Tag ist über Fritz Koch-Gotha wenig aufgearbeitet und publiziert, es gibt auch nur selten Ausstellungen. Dora Koch-Stetter, seine Frau, befindet sich da in einer komfortableren Situation. Ihr „Rotes Haus in Althagen“ oder das „Mädchen auf der Wiese“ sind – von unserem Stammtisch aus gesehen – „schräg über der Straße“ im Kunstmuseum fast schon Galionsfiguren.


