Film und Gespräch mit Alfried Nehring
Lassen Sie uns eine Verbeugung vor Thomas Mann machen, für dessen
1929 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichneten Roman „Buddenbrooks“ seine Novelle „Der kleine Herr Friedemann“ von 1897 gewissermaßen eine
Vorübung war. Dabei treffen wir auf der Leinwand auf Ulrich Mühe, Maria von
Bismarck, Dieter Mann, Inge Keller, Christine Schorn, Jenny Gröllmann, Carmen-Maja Antoni und viele andere.
Als Dramaturg dieses Films kann uns Alfried Nehring anschließend vieles dazu berichten.
Nun sind wir also im Dreistelligen unterwegs. Geplant war ein anderes Thema, krankheitsbedingt musste ein Wechsel her, ein schneller. Das gelang durch die Zusage von Alfried Nehring, der uns einen seiner Filme präsentierte, die er beim DDR-Fernsehen als Dramaturg zu verantworten hatte. Es wurde ein außergewöhnlicher Abend, wofür wir uns gleich an dieser Stelle herzlich bedanken möchten!
56 Besucher folgten unserer Einladung, wir sahen die Verfilmung der frühen Thomas-Mann-Novelle „Der kleine Herr Friedemann“ aus dem Jahre 1990. Die Novelle erschien 1897. Sein Roman über die Familie Buddenbrooks erschien 1901, für ihn erhielt er 1929 den Nobelpreis für Literatur.
Thomas Mann kommentiert in einem Vortrag von 1940 seine Novelle wie folgt:
„Die Hauptgestalt ist ein von der Natur stiefmütterlich behandelter Mensch, der sich auf eine klug-sanfte, friedlich-philosophische Art mit seinem Schicksal abzufinden weiß und sein Leben ganz auf Ruhe, Kontemplation und Frieden abgestimmt hat. Die Erscheinung einer merkwürdig schönen und dabei kalten und grausamen Frau bedeutet den Einbruch der Leidenschaft in dieses behütete Leben, die den ganzen Bau umstürzt und den stillen Helden selbst vernichtet.“
Unter den Darstellern brilliert neben vielen anderen aus der Schumannstraße besonders Ulrich Mühe als Friedemann. Sein früher Tod geht uns heute noch nahe, um so mehr erkennen wir ihn in seiner Tochter Anna Maria, die auch den Schauspielberuf ergriff, in vielen Kleinigkeiten wieder.
Alfried Nehring konnte uns noch manche Begebenheit aus der Entstehungszeit des Films berichten. Gedreht wurde in Lübeck, Ratzeburg und Schwerin, mit Maria von Bismarck als einziger nicht-ostdeutschen Schauspielerin, was offenbar völlig unproblematisch war.
Der nach dem Film geäußerte Gedanke, bei künftigen Stammtischen gelegentlich auch Filme auf die Tagesordnung zu setzen, sollte für die Zukunft Berücksichtigung finden.


