Der Hinstorff-Verlag – gestern und heute

mit Eva-Maria Buchholz, Rostock und Dr. Reinhard Rösler, Hohenfelde


Der Rostocker Hinstorff-Verlag, mit dem Käthe Miethe über lange Jahre in vielfältiger Weise verbunden war und der auch für heutige Leser mehrere ihrer Bücher immer wieder neu auflegt, soll im Mittelpunkt dieses Stammtisches stehen.

Eva-Maria Buchholz, die Leiterin des Buchverlages bei Hinstorff, und Dr. Reinhold Rösler, Literaturwissenschaftler, werden uns den Verlag vorstellen. Dabei werden wir die Geschichte des Verlages von seiner Gründung 1831 durch Dethloff Carl Hinstorff (1811-1882) an, der 1859 mit Fritz Reuter (1810-1874) einen ständigen Autor fand, der auch noch heute im Verlagsprogramm steht, über die Jahrzehnte hin zu Peter E Erichson (1881-1963) und Konrad Reich (1928-2010), die ihn im letzten Jahrhundert besonders prägten, verfolgen.

Hunderte Bücher des Verlages sind heute im Angebot, ein breites Spektrum erwartet den Leser: Belletristik, Kunst und Literatur, Kulturgeschichte und Architektur, Ratgeber, Reiseführer, Kalender, Kinder- und Jugendbücher, Niederdeutsches, Hörbücher und DVDs, neuerdings auch Graphic Novel. Darunter auch immer wieder das Fischland gestern und heute.

Die Chefin des Buchverlages kümmert sich mit weiteren zehn Mitarbeitern in der Rostocker Lagerstraße, dem angestammten Domizil des Verlages, um dieses imposante Angebot.

Über das Gestern und Heute des Hinstorff-Verlages aus beredtem Munde etwas zu erfahren, war die Absicht bei der Einladung unserer Gäste. Über die Annahme unserer Einladung sind wir sehr froh.

Wir hoffen auf einen interessanten Abend mit guten Gesprächen.


An diesem Abend tauchten 21 Interessierte in die Geschichte eines Verlages ein, den es inzwischen seit 187 Jahren gibt, der in seiner Frühzeit mit Fritz Reuter schon einen bedeutenden Autor an sich binden konnte, der im letzten Jahrhundert vor allem durch die Verlegerpersönlichkeiten Peter E Erichson und Konrad Reich geprägt wurde, 1992 von der Heise Gruppe übernommen wurde und der in der Gegenwart durch die nun schon über 15-jährige und verdienstvolle Arbeit von Eva Maria Buchholz gut aufgestellt ist. Dr. Reinhard Rösler und Eva Maria Buchholz führten uns durch die Geschichte des Verlags. Als weitere „kundige“ Gäste konnten wir Prof. Dr. Irmtraud Rösler und Lydia Reich begrüßen.

Hinstorff kam über Parchim, Ludwigslust (Hofbuchhändler) und Wismar 1864 nach Rostock. Da verlegte er schon seit 5 Jahren Reuters Werke, der zuvor im Selbstverlag publizierte und Anerkennung suchte. Nun hatte das Niederdeutsche bei Hinstorff seine Heimstatt gefunden, Reuter wird zeitweise zum meistgelesenen deutschsprachigen Autor, seine Werke bringen es innerhalb zweier Jahrzehnte auf 156 Auflagen. Ein weiteres Standbein Hinstorffs sind wissenschaftliche Periodika und Rostocker Hochschulschriften. Reuter stirbt 1874, Hinstorff 1882, der Verlag scheint seinen Zenit überschritten zu haben. 1907 erwirbt Peter E die Hinstorffsche Druckerei in Rostock. War Hinstorff Buchhändler, hat der noch junge Peter E eine Buchdruckerlehre hinter sich. Als er nach 52 Jahren den Verlag verkauft, beauftragt das DDR-Kulturministerium Konrad Reich mit der Verlagsleitung, wieder stand ein gelernter Buchhändler an der Verlagsspitze.

1942 ist der Verlag nach der Bombardierung Rostocks nur noch ein Trümmerhaufen. 1945 wagt Peter E den Neuanfang, der zu einer neuen Blütezeit des Verlages führt. Mit den „Mecklenburgischen Monatsheften“ hatte seit 1925 schon Heimatliches seinen Platz im Verlagsprogramm gefunden, nach 1945 setzte Peter E vor allem auf neue Heimatliteratur. Nach der (zweifachen!) Lizenzvergabe durch die SMAD erschien 1947 Brinckmans „Kaspar Ohm un ick“ als erstes Buch. Willi Bredel, Ehm Welk wurden als Autoren gewonnen, Meyer-Scharffenberg, Käthe Miethe u.a. Konrad Reich etablierte die maritime „Blaue Reihe“, brachte Übersetzungen nordeuropäischer Autoren heraus, förderte Gegenwartsautoren wie Franz Fühmann und Ulrich Plenzdorf. 1977 zieht er aus den Ereignissen um die Biermann-Ausbürgerung seinen eigenen Schluss, er kündigt. 1990 gründet Reich schließlich seinen eigenen Verlag, dessen Programm 2006 als „edition konrad reich“ vom Hinstorff-Verlag übernommen wurde, mit dem Lydia Reich auch heute noch durch eigene Projekte verbunden ist, z.B. seit 2007 mit dem bekannten Kalender „Land und Meer“. Reuter ist heute im Katalog des Verlages noch mit 14 Titeln vertreten, Fühmann sogar mit 25, Tarnow mit 9, Welk mit 8. Von Käthe Miethe erschienen nach 1990 von „Das Fischland“, „Die Flut“ und „Bark Magdalene“ jeweils 3 neue Auflagen. Das Fischlandbuch wird als Bestseller beworben.

Unsere anschließende Diskussion widmete sich vor allem heutigen Lesegewohnheiten, der Perspektive des Niederdeutschen im Alltag und den aktuellen Bemühungen der Landesregierung auf diesem Gebiet.


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