mit Dr. Renate Billinger-Cromm, Wustrow
Die Woermann-Biografie von 2015 basiert auf einem umfänglichen Quellenmaterial, das nur ab und an direkt im Text erscheint. Dr. Renate Billinger-Cromm möchte kaleidoskopartig einige Originalquellen mit den in sie verwickelten Personen und der persönlichen Situation der Künstlerin in Verbindung bringen. Einige Fotos werden das Ganze veranschaulichen.
Nun lief wieder alles wie geplant. Für das angekündigte Thema interessierten sich 24 Teilnehmer, darunter zahlreiche Urlauber.
Dr. Renate Billinger-Cromm gab uns an Hand zahlreicher persönlicher Dokumente von Hedwig Woermann (1879-1960) einen Überblick über Leben und Werk dieser interessanten Künstlerin und zeigte auch einige Bilder. Aus einer Hamburger großbürgerlichen Familie stammend suchte Hedwig Woermann früh einen eigenen Weg, der sie selbstbestimmt aus den patriarchalischen Verhältnissen ihres Elternhauses befreien sollte. Ihr Vater war zu seiner Zeit weltweit der größte Privatreeder und vor allem im Afrikageschäft aktiv. Hedwig Woermann ging früh nach Worpswede – Malschülerin bei Fritz Mackensen, von dort nach Paris – Bildhauerlehre bei Antoine Bourdelle, dann nach Italien – freischaffend in Rom, danach wieder zurück nach Frankreich und mit Kriegsbeginn mit Johann Jaenichen, den sie 1908 in Rom geheiratet hatte, nach Hellerau. 1919 zogen die beiden nach Wustrow ins Storchenhaus, Jaenichen richtete sich seine Werkstatt in der Räucherei in Barnsdorf ein.
All diese Stationen traten uns vor allem durch Tagebuchauszüge und Briefe deutlich vor Augen. Eine besondere Rolle spielte Rainer Maria Rilke, den sie in Worpswede kennengelernt hatte und mit dem sie immer wieder in brieflichem Kontakt war.
Im Mai 1945 überlebte nur Hedwig Woermann den gemeinsam geplanten Selbstmordversuch. Erschütternd war es ihre eigene Beschreibung davon zu hören. Sie blieb weiter in Wustrow, lebte für sich allein, recht abgeschieden und ärmlich. Ihr Haus führte sie als Museum.
Im anschließenden Gespräch wurden noch vorhandene Erinnerungen an Hedwig Woermann ausgetauscht, es wurde auch nach Kontakten im Ort gefragt, z.B. zu Käthe Miethe – worüber allerdings nichts bekannt ist. Es stand auch noch einmal das Fahrrad als Vehikel der Frauenemanzipation im Mittelpunkt, wobei der Aussage, dass Hedwig Woermann mit einem Fahrrad bis nach Paris gefahren sein soll, eher ungläubig gegenübergestanden wurde.


