Vortrag von und mit Dr. Margrid Bircken, Vorstand der Anna-Seghers-Gesellschaft

Anna Seghers (1900 – 1983), als Netty Reiling in Mainzgeboren, flieht 1933 mit ihrer Familie über die Schweiz nach Frankreich, da sie als Jüdin und Kommunistin von den Nationalsozialisten verfolgt wird. Ihre bekanntesten Werke, darunter „Das siebte Kreuz“ und „Transit“, entstehen im Exil und sind stark von dieser Erfahrung geprägt.
1947 kehrt sie nach Deutschland zurück und lebt ab 1949 als angesehene
Schriftstellerin in der DDR.

“Ich habe große Sehnsucht nach einer besonderen Art von Welt, in der man arbeiten und atmen und sich manchmal wie verrückt freuen kann.”
Anna Seghers


Nachdem uns Dr. Margrid Bircken schon vor zwei Jahren Brigitte Reimann nähergebracht hatte, vor allem die mit Wolfgang Schreyer verbundenen Ahrenshoop-Aufenthalte, widmete sie sich nun Anna Seghers. Das war wieder für viele von großem Interesse, sie hatte 51 Zuhörer.

Vor uns breitete sich der ganze Lebensweg dieser 1900 in Mainz als Netty Reiling in einer jüdischen Familie Geborenen, die 1928 ihre Erzählung Aufstand der Fischer von St. Barbara bei Kiepenheuer als Anna Seghers veröffentlicht, dafür den Kleistpreis zugesprochen bekommt, im selben Jahr in die KPD eintritt und künftig unter diesen Namen Karriere macht. 1924 promoviert sie mit der Arbeit Jude und Judentum im Werk Rembrandts, heiratet im selben Jahr Laszlo Radvanyi, die Kinder Peter und Ruth werden 1926 und 1928 geboren.1933 muss die Familie Deutschland verlassen, über die Schweiz nach Frankreich, von dort 1941 endlich nach Mexiko. 1947 kehrt sie nach Deutschland zurück, in die DDR. Die Kinder studieren in Paris, ihr Ehemann kehrt 1952 zurück.

Mit zahlreichen Zitaten und Fotos gewährte uns Margrid Bircken detaillierte Einblicke in Anna Seghers Wirken und literarisches Schaffen. Transit, schon in Frankreich begonnen, erscheint 1944 in Mexiko, im gleichen Jahr verfilmt Hollywood Das siebte Kreuz, das 1942 auf Englisch in den USA und auf Deutsch in Mexiko erschienen war.

Das Meer spielte natürlich auch eine Rolle, nicht nur im gewählten Vortragstitel, zum Glück ohne das Zitat, das Johannes R. Becher zugeschrieben wird, verortet am Ahrenshooper Strand, mit der Berliner Antwort von Anna Seghers. An vielen Stellen hat das Meer in ihren Werken Platz, nebst Sagen und Mythen. Es sind schöne Texte, in zahlreichen Erzählungen, manches erinnert an Ernest Hemingwey.

In anderen Zeiten wäre Anna Seghers u.E. eines Literatur-Nobelpreises würdig gewesen. Sie wurde – wohl politisch motiviert – übergangen, wie auch andere, Arnold Zweig, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Bert Brecht.


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