mit Dr. Reinhard Rösler, Hohenfelde, und Dr. Sebastian Kleinschmidt, Berlin
Nachdem wir uns bereits 2016 in zwei Sitzungen mit der Zeit nach 1945 und den beiden anderen Treuhändern des Kulturbundes beschäftigt haben – Willi Bredel für das Dornenhaus und Johannes R. Becher für das Dünenhaus -können wir zum jetzigen Thema sachkundige Gäste begrüßen.
Dr. Reinhard Rösler, Literaturwissenschaftler aus Hohenfelde, und Dr. Sebastian Kleinschmidt aus Berlin werden uns Karl Kleinschmidt, den Treuhänder für das Haus Bergfalke, näherbringen.
Wir freuen uns auf eine interessante Diskussion.
Am Abend dieses sehr stürmischen Tages kam beim Oktober-Stammtisch eine unerwartet große Runde zusammen. 24 Teilnehmer interessierte das angekündigte Thema zu den Anfängen der Kulturbundarbeit in Ahrenshoop. Vor zwei Jahren hatten wir uns schon in drei Sitzungen damit beschäftigt. Damals standen Willi Bredel und Johannes R. Becher im Mittelpunkt, diesmal Karl Kleinschmidt.
Unsere Freude war groß, dass zwei seiner Söhne unserer Einladung gefolgt waren und die lange Anreise aus Berlin auf sich genommen hatten. Zu Beginn stellte uns Dr. Rösler in seinem Überblick über Leben und Schaffen von Karl Kleinschmidt diese vielseitige und vielschichtige Persönlichkeit mit zahlreichen Details vor, die im anschließenden Gespräch manche Nachfragen anregten, zu denen Dr. Sebastian und Christoph Kleinschmidt ihrerseits weitere Einblicke in das Leben ihres Vaters gaben. Es fügte sich alles bestens zusammen: Dr. Rösler hatte sich beruflich ausführlich mit der Literatur in Mecklenburg nach 1945 beschäftigt und konnte aus dem Vollen schöpfen und vieles erhellen, die beiden Söhne erweiterten für uns Blick und Sichtweise auf ihren Vater, den evangelischen Pfarrer aus der Weimarer Republik, der SPD-Mitglied wurde und den die Kirchenleitung in Thüringen aus dem Kirchendienst vertrieb, den 1933 die Gestapo verhaftete, der aber zwei Jahre später in Schwerin als Domprediger eingestellt wurde und den der Wehrdienst schließlich weitere Disziplinierungen kirchlicherseits ersparte. Aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt wurde er 1945 wieder Domprediger, trat 1946 in die SED ein und entfaltete in den kommenden Jahrzehnten eine umfangreiche politische, vor allem kulturpolitische, journalistische und schriftstellerische Arbeit, national und international, oft neben bzw. gegen die jeweils gängigen Parteiauffassungen. Kein einfaches Leben in einer auch nicht einfachen Zeit.
Als Mitbegründer des Kulturbundes hob er mit Becher und Bredel das Ahrenshoop-Projekt mit aus der Taufe und war einer der Treuhänder von Häusern, die gesamtdeutsch Künstlern als Begegnungs- und Arbeitsstätte dienen sollten. Darüber gab es für unsere Ohren manches aus Familienerinnerungen zu hören, das die Söhne zum Teil schon selbst miterlebt hatten, zum Teil als Mittler uns berichten konnten. War in den Anfangsjahren nach dem Krieg noch eine echte Aufbruchstimmung spürbar, wurden Ideen in Streitgesprächen geboren, spielte man auch noch die gesamtdeutsche Karte, nahmen aber auch schon damals die „Mühen der Ebenen“ zu. Die Treuhänder merkten das für ihre Häuser ebenfalls und zogen sich schließlich unterschiedlich zurück. National mit der Besiegelung der deutschen Spaltung durch die Staatsgründungen und international mit Blockbildungen und kaltem Krieg standen auch bald andere Präferenzen. Das im Sommer erschienene Heft „Intelligenzbad Ahrenshoop“ der Zeitschrift für Ideengeschichte gibt mit seinen einzelnen Beiträgen einen recht breiten und lesenswerten Einblick in diese Ahrenshooper Jahre.


