von Astrid Beier, Dr. Helga Konow, Klaus Czerwinski, Ahrenshoop
„Wir lernten bei ihr nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen“, sagen ihre Schüler heute noch. Sie erinnern sich an diese Ausnahmelehrerin mit einigen ihrer damaligen Kolleginnen und möchten ein facettenreiches Bild zeichnen, das vor uns eine Persönlichkeit stellt, tief dem Humanismus und reformpädagogischen Gedanken aus dem Anfang des vergangenen Jahrhunderts verhaftet und verpflichtet, die an den Schulen in Althagen und Ahrenshoop auf einem breiten Arbeitsfeld endlich ihre Träume verwirklichen konnte.
Es war ein gelungener Jahresauftakt. Nach mehreren Vorbereitungsrunden in unterschiedlicher Zusammensetzung konnten wir beim Stammtisch mit den 51 Teilnehmern ein recht vielseitiges Bild von Erne Wehnerts Leben zeichnen. Viele in der Runde hatten noch persönliche Erinnerungen an diese Ausnahmelehrerin, die nach dem Ende des zweiten Weltkrieges an die Althäger Grundschule kam und hier bis in die 1970-er Jahre sehr erfolgreich wirkte.
Astrid Beier, Dr. Helga Konow (als ehemalige Kolleginnen) und Klaus Czerwinski (als ehemaliger Schüler) gaben jeweils in ihren Einführungen einen Überblick über Leben und Werk, was in der anschließenden Diskussion noch durch zahlreiche Teilnehmer ergänzt wurde. Viele Bilder konnten projiziert werden, dabei fanden die Islandbilder großes Interesse, ebenso die von den Theateraufführungen der Fischländer Spielschar, die aus einem Album von Britta Meyer stammten, das Klaus Czerwinski digitalisiert hatte und auf denen sich viele wiedererkannten.
Erne Wehnert wuchs in Schlesien auf und entschied sich schon frühzeitig für den Lehrerberuf, in dem sie sich von Anfang an an reformpädagogischen Gedanken orientierte. 1924 war sie in der Freien Schulgemeinde Wickersdorf zunächst Hilfslehrerin und betreute die Kinder von Martin Luserke, mit dem sie zwei Jahre später an die Schule am Meer auf Juist wechselte. Dort unterrichtete sie Englisch und Latein, engagierte sich beim schulischen Segeln, beim Tauchbaden in der See und im Darstellenden Spiel. Ihre jüngere Schwester Hild machte auf Juist 1930 ihr Abitur. Das Schulexperiment wurde 1934 abrupt beendet, die Nazis schlossen die Schule. Erne Wehnert war dann noch an der Internatsschule Urspring in Schwaben, bis sie 1936 Deutschland verließ und nach Island ging, wo sie auf Höfen arbeitete und im Winter als Wanderlehrerin unterwegs war. Nach Kriegsbeginn kehrte sie auf abenteuerliche Weise nach Deutschland zurück, konnte mit ihrer Gesinnung aber nicht auf eine Einstellung im Schuldienst hoffen. Sie arbeitete auf einem Gut als Hauslehrerin und in der Verwaltung. Nach Kriegsende kam sie nach einem kurzen Intermezzo in Bad Kleinen 1946 nach Althagen. Bis hierher war vielen ihre Lebensgeschichte nur teilweise bekannt.
An diesem Abend lebten viele Erinnerungen an die Althäger Schule wieder auf: Mehrstufenunterricht, Einrichten und Ausmalen der Klassenräume, Lebertran aus Island, Schulspeisung, Schwimmausbildung, Wanderungen, Schlittschuhlaufen, Schulgarten, Kinderfest mit Umzug, Stangenklettern und Bändertanz, zweimal jährlich gab es als großes Gemeinschaftswerk die Aufführung von Märchen durch die Spielschar, zum Teil auch außerhalb. Astrid Beier hat darüber in ihren Büchern geschrieben, eine Wikipedia-Seite gibt es (noch) nicht. Aus Anlass des im September anstehenden 120. Geburtstages wurde in der Diskussion eine Ausstellung angeregt.


