Es geht von meinem Haus ein Pfad … – Gerhard Marcks und seine Büdnerei 14 in Niehagen, die Rettung eines Baudenkmals

mit Mareike und Torsten Frühauf, Berlin/Ahrenshoop


Torsten und Mareike Frühauf erzählen von der Sanierung und Restaurierung des mehr als 200 Jahre alten Hauses in Niehagen, das der Bildhauer, Grafiker und Zeichner Gerhard Marcks (1889 – 1981) 1929 für seine Familie als Feriendomizil erwarb.

Im 2019 neu eröffneten GerhardMarcksKünstlerhaus wird mit wechselnden Ausstellungen und Veranstaltungen an das Erbe des Künstlers erinnert.


Wie beim vorigen Stammtisch waren wir noch einmal in Niehagen. Die B 14 konnte besichtigt werden (7 Teilnehmer) und stand dann beim Stammtisch im Mittelpunkt (22 Teilnehmer), das Haus, das Gerhard Marcks 1929 kauft, zunächst für seine Familie mit den Kindern als Sommerquartier nutzt, und das ab 1933 sein Rückzugsort wird, nachdem er in Halle entlassen worden war, seine Kunst in der Folgezeit als „entartet“ galt. 1936 bezieht er ein Atelierhaus in Berlin-Nikolassee, die B 14 bleibt sein Sommerquartier, 1943 schenkt er sie seiner Tochter Ute, muss Ende 1943 aber doch wieder einziehen, da das Haus in Nikolassee einen Bombenangriff nicht übersteht. Er hat in der B 14 schon 1932 ein Atelier angebaut, arbeitet viel, fühlt sich aber einsam, abgeschnitten. 1945 muss eine Flüchtlingsfamilie aufgenommen werden, kurz darauf noch einmal eine Frau mit zwei Kindern. 1946 geht Marcks nach Hamburg, wo er den Ruf an die Landeskunstschule annimmt. Tochter Ute verlässt 1960 endgültig die DDR, die B 14 wird nun treuhändisch von der Gemeinde verwaltet, 1970 kann die Mieterin nach damaligem Recht das Haus kaufen und nutzt es bis 2013. Nun steht wieder ein Verkauf an, dem schnell ein weiterer folgt: Mareike und Torsten Frühauf kaufen 2015 Haus und Grundstück, beginnen 2017 mit der umfassenden Renovierung und eröffnen am 16.08.2019 das GerhardMarcksKünstlerhaus.

Familie Frühauf, als Berliner schon lange „Fischländer“, dort und inzwischen auch hier, auf dem Hohen Ufer, ansässig, muteten sich nun noch ein Haus zu, diesmal ein abbruchreifes, mit bauchigen Wänden, kaputtem Dach und zusammengefallener Ofenglocke, Lehm, der das viele Wasser nicht mehr vertragen hatte. Mutig und ein festes Ziel vor Augen – Hochachtung!

Torsten Frühauf gab viele Einblicke in diese aufregenden Jahre. Bürokraten hatten manchmal einen langen Atem, der Denkmalschutz machte da keine Ausnahme, erst der zweite Architekt brannte für das außergewöhnliche Projekt, für alte Techniken war das Finden kundiger Handwerker oft mühsam. Möglichst viel Altes erhalten, Neues einpassen, alte Türen, alte Schlösser, alte Fenster aufarbeiten, Fledermäuse bekommen neuen Wohnkomfort, Kompromisse für die neue Nutzung finden, alte Lehmwände und Bauphysik, wenn schon neue Gaube, dann stilgerecht, Streifenfundament etappenweise ertüchtigen, Ständer und Balken teilweise erneuern, Rohrdacheindeckung fachgerecht, größeres Gewicht von mehreren Tonnen zusätzlich verbautem Holz nicht nur auf Außenfundament ableitbar und, und, und.

Aus der Diskussion: Ein Juwel bleibt in Ahrenshoop: Der „Rufer“ im Büdnereigarten, Der große Bernd Schultz, nun schon ein Achtziger, der Grisebach-Gründer, der James-Simon-Wiedererwecker, der Initiator des Exilmuseums am Anhalter Bahnhof, in dessen Stiftung er den Erlös seiner verkauften Grafiksammlung einbrachte, und der hoffentlich noch dessen für 2026 geplante Eröffnung erlebt, konnte umworben werden, macht es möglich. Nun kann der „Rufer“ in Niehagen mit dem „Seeadler“ in Althagen korrespondieren. Der Berliner Rufer dagegen fand an der US-Ostküste in Washington leider keinen Gegen-Rufer, also keine symbolische Erinnerung an die Unterstützung der Amerikaner in den Nachkriegsjahren.


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