mit Gisela Seibt und Dr. Helmut Seibt, Wustrow
Die Beschäftigung mit den ersten Jahren nach 1945 wollen wir fortsetzen, nachdem uns der letzte Stammtisch auf diese Zeitenwende eingestimmt hat.
Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands nahm die Geschicke in die Hand, Ahrenshoop sollte zum Bad der schaffenden Intelligenz werden. Einige der „Macher“ vor Ort werden wir bei den folgenden Stammtischen näher kennenlernen: Willi Bredel, Johannes R. Becher und Karl Kleinschmidt, in deren Werk diese Zeit auch literarische Spuren hinterlassen hat.
Beginnen wir mit Willi Bredel (1901-1964), des einstigen Eisen- und Metalldrehers von Blohm & Voß in Hamburg, der als Kommunist am Hamburger Aufstand von 1923 teilnahm, journalistisch arbeitete, Festungs- und KZ-Haft über sich ergehen lassen musste, nach Moskau emigrierte, dort den ersten international beachteten Roman über ein deutsches KZ schrieb, 1936 Kriegskommissar des Thälmann-Bataillons in Spanien war, später nach Moskau zurückkehrte, 1943 das Nationalkomitee Freies Deutschland mitgründete und 1945 mit der „Gruppe Ulbricht“ aus dem Moskauer Exil nach Deutschland zurückkehrte, wo er sich zunächst in Rostock, später in Schwerin mit dem kulturellen Wiederaufbau beschäftigte.
Im Fundstück dieses Monats „Gestaltung der Freizeit“ stellt uns Käthe Miethe das Volkshochschulheim von Dr. Klatt aus dem Prerow der 1920-er bis 1930-er Jahre vor.
Unser „Vorbereitungs-Kaffeetrinken“ findet am 19. September ab 15 Uhr in Malchens Café statt. Neulich fanden wir unterwegs „antike“ Mocca-Tassen. Vielleicht können wir damit unsere Mascottchen -Diskussion beleben …
Mit dieser Zusammenkunft, zu der sich 20 Teilnehmer einfanden, können wir nun schon auf ein Jahr Stammtisch zurückblicken. Die Themen zu „Fischland literarisch – gestern und heute“ sind uns noch lange nicht ausgegangen, sie sind sogar mehr geworden. Dabei wollen wir auch in Zukunft aus eigenen Beiträgen schöpfen – die Frage „Wer kann wann zu welchem Thema etwas übernehmen?“ sollte dabei aber noch mehr offene Ohren finden. Das „Vorbereitungs-Kaffeetrinken“ reicht in dieser Hinsicht nicht aus. Wir wollen aber auch immer wieder Gäste einladen und von deren Wissen profitieren.
In den letzten vier Wochen ergaben sich mehrfach Stammtisch-Bezüge. Herr Dr. Kleinschmidt, den wir über Herrn Perschmann kennenlernten, ist an einer Mitarbeit interessiert und möchte bei Gelegenheit über Karl Kleinschmidt, seinen Vater, sprechen, insbesondere über die ersten Jahre der Kulturbundarbeit nach 1945. Frau Dr. Krempien ist zwar inzwischen verzogen, bietet aber einen Vortrag über Heimatliteratur an. Frau Meisner möchte sich mit dem Frauenbild in den Romanen von Käthe Miethe beschäftigen und gegebenenfalls darüber vortragen. Herr Hülsse hat einen Vortrag über seinen Vater Georg Hülsse zugesagt. Frau Beier haben wir gebeten, am Beispiel des gerade erschienenen Teils V von „Abseits vom Schulweg“ ihre umfangreichen Arbeiten zur Dorfgeschichte vorzustellen. Frau Mehrwald ist verzogen, möchte aber weiter „dabei bleiben“. Damit erweitert sie die Reihe unserer „korrespondierenden Mitglieder“, wie das auch Herr Scheffelke aus Zingst/Greifswald gleich am Anfang für sich gewünscht hat (Teilhabe immer, Teilnahme nach Möglichkeit). Dieser Kreis hat sich in den letzten Tagen erneut erweitert – mit Interessierten aus Hannover, Hamburg, Berlin, Leipzig und Freiberg.
Nach lobenden Worten durch Herrn Scheffelke auf unsere „Einjährigkeit“, erhoben wir unsere Gläser und wünschten uns für unsere weiteren Stammtische in der dafür anregenden Atmosphäre in Malchens Café interessante monatliche Begegnungen.
Mit dem Fundstück 24 „Gestaltung der Freizeit“, das uns wieder Frau Matthias vortrug, lernten wir durch Käthe Miethe das Volkshochschulheim aus dem Prerow der 1920-er und 1930-er Jahre und die seinerzeitigen Bemühungen um eine sinnvolle Freizeitgestaltung kennen.
Anschließend beschäftigte uns zunächst das Leben von Willi Bredel im Überblick und danach seine Arbeit nach der Gründung des Kulturbundes in Mecklenburg und speziell in Ahrenshoop, wo er zusammen mit Johannes R. Becher und anderen und der Unterstützung durch die SMAD den Versuch startete, einen ganzen Ort in Regie des Kulturbundes zu einem Erholungsort der Intelligenz zu entwickeln, wozu auch Tagungen, Schulungen und Diskussionsforen gehörten, wo man am Anfang vor allem Remigranten gute Arbeitsmöglichkeiten bieten wollte.
Dazu wurden vier Häuser dem Kulturbund übergeben, die jeweils von Treuhändern geführt wurden, z.B. Bredel – Dornenhaus und Becher – Dünenhaus.
Diese Zeit ist in den drei Bänden „Ein neues Kapitel“ von Willi Bredel literarisch gestaltet. Die beiden kurzen Textstellen, die wir dazu auswählten, hatten noch einmal Peter E zum Inhalt, der diese Zeit ebenfalls wesentlich prägte. Bei Bredel heißt er Theo E, Bredels Frau heißt dort Marja. In den ausgewählten Texten zeigt Theo E Marja den Ort und Marja entdeckt bei ihm eine Barlach-Plastik, in der sie die Züge von Theo E wiederfindet.
Wir nutzten unsere Zusammenkunft auch, um erste Meinungen zu Gestaltungsvorschlägen und Nutzung der antiquarisch angekauften Mocca-Tassen auszutauschen, die zu einem Stammtischattribut werden könnten.


