„Vom Vater hab ich die Statur, …“ – Käthe Miethe und ihr Vater Adolf

Lesung und Gespräch mit Gisela und Helmut Seibt

Adolf Miethes (1862 -1927) zweite Tochter Käthe (1893 – 1961) wuchs in einem wohlhabenden Elternhause auf und war mit ihren Eltern von Anfang an seit 1901 in Althagen in der Sommerfrische.

Adolf Miethe kaufte 1916 seiner Tochter eine Büdnerei, in die sie Ende der 1930er endgfültig aus Berlin übersiedelte.

Aus beiden Biographieen soll versucht werden, für die ersten vier Zeilen des Goethegedichts Belege zu finden.

Vom Vater hab ich die Statur,
Des Lebens ernstes Führen,
Vom Mütterchen die Frohnatur
Und Lust zu fabulieren.

Johann Wolfgang von Goethe


Die abendliche Zusammenkunft im Kunstmuseum entwickelt sich zur Normalität. Diesmal versammelten sich 32 Interessierte. Die Gestaltung des Themas musste sich aber kurzfristig ändern, Gisela als Akteurin fehlte, ich musste es allein schultern.
Mit der Wahl „Vom Vater hab ich die Statur …“ als Thema wollten wir die Vater-Tochter-Beziehung von Adolf zu Käthe etwas ausleuchten, da sich in Altersbildern der Tochter Ähnlichkeiten zum Vater erkennen lassen.

Das verfolgten wir, indem wir den Lebensweg der Familie durch die einzelnen Jahrzehnte nachzeichneten. Allerdings beschränkten wir uns aktuell auf die für eine Powerpointprojektion ausgesuchten Fotos und Dokumente aus der Familiengeschichte, die mit der vorhandenen Saaltechnik problemlos ihren Weg auf die Leinwand fanden. Zahlreiche dieser Projektionen ergänzten wir durch manche Erläuterungen und Geschichten. Dagegen verzichteten wir aus dem o.g. Grunde auf dazu ausgesuchte weitere/passende Zitate aus Briefen und Publikationen. Zum Schluss zeigten wir den 14-minütigen Film von Adolf Miethe „Im Flugzeug zum Mond“ aus dem Jahre 1921.

Zwischen Vater und Tochter gab es zahlreiche Gemeinsamkeiten. Ein nicht nur auf seinem Fachgebiet führender Wissenschaftler, der viel publizierte, die neuen Medien nutzte, mit populären Vorträgen und Schriften ein breites Publikum erreichte, regte seine Tochter z.B. durch die Berichte über die Ägypten(1908)- und die Spitzbergen(1910)-Expedition zu deren ersten Kinderbüchern an. Seine Segelleidenschaft führte zur gemeinsamen Mitarbeit im Segelverein der TH Charlottenburg, seine Begeisterung und vielfältige Tätigkeit für und im europäischen Norden schlugen ebenfalls auf die Tochter über. Beide korrespondierten sogar in Norwegisch miteinander, übersetzten Bücher ins Deutsche, verfügten über einen großen skandinavischen Bekanntenkreis, waren selbst häufig in Norwegen, Käthe arbeitete dort zeitweise. Der frühe Tod des Vaters 1927 beendete abrupt dieses Geben und Nehmen.

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