mit Charlotte und Dr Peter Dillwitz, Ahrenshoop
Nach ihrer Althagen-Chronik, die inzwischen eine 2. Auflage erfahren hat, stellen die Autoren nun die 267 Seiten starke Niehagen-Chronik vor, die 2020 erschienen ist.
Wieder sind alle Häuser erfaßt und alle dazu aufgefundenen Informationen übersichtlich zusammengestellt, ebenso die jeweiligen Besitzer mit ihren Familien.
Es ist wieder ein Buch der Häuser und der Menschen eines Dorfes durch all die Jahrhunderte geworden. Was für eine Arbeit steckt dahinter! Das Althäger Buch gibt es nun schon in 2. Auflage, vor einiger Zeit wurde auch das Niehäger fertig. Die Buchvorstellung beim Stammtisch war nicht die erste. Danke, dass die Autoren auch für uns Zeit hatten! Unter den 18 Teilnehmern waren noch einmal auffällig viele Niehäger.
Der Abend wurde zu einem Gang durch die Fischländer Geschichte. Die Büdnereien standen im Vordergrund, natürlich auch die Hufen. Nach der Klosterzeit kam das Land an den Herzog, dessen Domanialverwaltung es in Zeitpacht weitergab, das Erbpachtrecht entstand erst im 19 Jahrhundert, kein Büdner, kein Bauer konnte das Land kaufen, mit den Bindungen der Büdnereien an die Hufen wurde ein System gestrickt, das vor allem dem Herzog sichere Einnahmen garantierte, den Büdnern aber auch Land gab, wenn sie von dessen Größe allein aber auch nicht leben konnten, sondern sich einen weiteren Verdienst suchen mussten. In den Büdnerbriefen wurde alles bis ins Kleinste geregelt: Geflügel und Schwein ja, eine Kuh vielleicht, Pferde nicht, Arbeit beim Bauern, der wiederum das Büdnerland beackern musste und für Fuhrdienste zuständig war.
Auch in Niehagen, einem typischen Straßendorf wie Althagen, waren die Büdnereien anfänglich Doppelbüdnereien, hatten stets denselben Grundriss, die Kochstelle am Ende des Flures einen offenen Abzug im Rohrdach, der Fußboden war anfänglich gestampfter Lehm, später Holzdielen auf einer Balkenunterlage, über einem Feldsteinsockel wurden Lehmwände errichtet, die Decken waren aus Stroh und Lehm, die Wände wurden gekalkt, als Hausbäume mussten im Vorgarten Obstbäume gepflanzt werden. Die Büdnereien wurden mit arabischen Zahlen fortlaufend nummeriert, die Hufen mit römischen. So fuhren wir aus Berlin zu den Eltern in Althagen immer in die B 40, auf der anderen Straßenseite steht Giselas Geburtshaus auf einer ehemaligen Hufe, der H V.
Im Buch sind mit den Namen der Einwohner natürlich auch viele Geschichten verknüpft. Das fängt schon bei den vielen alten Vornamen an, der meist großen Kinderzahl einer Familie, dem häufigen Wiederverheiraten, den meist ärmlichen Lebensverhältnissen, das große Geld war bei den Kapitänen, die häufig in Wustrow wohnten.
Zahlreiche Teilnehmer ergänzten das Vorgetragene noch mit Geschichten aus der eigenen Familie.
Wir bedankten uns bei Familie Dillwitz mit einem Exemplar der „Herrgottsuhr“, einem Buch, dessen Handlung Käthe Miethe im alten Niehagen angesiedelt hat.


