mit Reinhard Thon, Schwerin
Reinhard Thon hat in seinem Buch „Es geschah in Mecklenburg – Historische Kriminalfälle des Criminal-Collegiums“ auf 188 Seiten die Ermittlungsmethoden der großherzoglichen Kriminalisten am Beispiel einiger bis zu 150 Jahren alter Kriminalfälle beschrieben und dabei auch das gesellschaftlich-soziale Umfeld beleuchtet. Einen dieser Fälle will er uns heute ausleuchten.
Darauf kann man gespannt sein. Wir freuen uns auf einen tieferen Einblick in die damalige Seefahrerei, vielleicht auch in die Geschichte der Niehäger B 39.
Draußen war richtiger Winter, Schnee und Kälte. Da machten wir uns schon wegen der Teilnehmerzahl Gedanken – der Referent musste diesmal sogar aus Schwerin anreisen. Die Überraschung war dann umso größer. Wir waren an diesem Abend insgesamt 25 Teilnehmer, Reinhard Thon war auch problemlos angekommen.
Bevor uns der Niehäger Kapitän Daniel Zeplin näher beschäftigte, erfuhren wir viel über die damalige Rechtsprechung im Großherzogtum. Das Criminal-Collegium stand über den Amtsgerichten, Herr Thon verglich es mit den heutigen Landeskriminalämtern, die auch jetzt alle schwerwiegenden Fälle an sich ziehen. Aufgaben, Arbeitsweise und Methoden waren schon damals exakt definiert. Aus seinem Buch schilderte uns Reinhard Thon vorab noch andere Fälle, gab anschließend Einblicke in das harte Leben an Bord, umriss die Aufgaben eines Kapitäns und seine Stellung zu den Matrosen, erläuterte für den damaligen Schiffsbau die besondere Form der Partenreederei und ging auf die oft anzutreffende Trennung von Eigner und Schiffer ein.
Daniel Zeplin war zwar ein erfahrener Kapitän, führte an Bord aber ein brutales Regime. Er verschaffte sich u.a. mit einem, damals als neue Waffe aufkommenden Revolver Respekt. Auf einer Reise nach Konstantinopel kam es zu einer Auseinandersetzung mit einem englischen Matrosen, dem Zeplin zunächst zwei Schrot-Schüsse in den Hintern androhte, im weiteren Verlauf aber auch zweimal aus naher Distanz von vorn den Matrosen erschoss. Das hatte ein langes juristisches Procedere zur Folge, an dessen Ende das Todesurteil stand. Seine Frau reichte mehrere Gnadengesuche ein. Mit diesen Gesuchen schließen allerdings die Akten, sodass das weitere ungewiss bleibt.
In der Diskussion lebten manche Aspekte aus der Fischländischen Segelschifffahrt wieder auf, zumal auch zwei ehemalige Kapitäne anwesend waren. Einer von ihnen hat jetzt die ehemaligen B 39 von Daniel Zeplin. Ein konkretes Ergebnis des Abends war, dass die bisher Zeplin zugeschriebene Überfahrt von Richard Wagner von Pillau nach London, mit einem anderen Schiff eines anderen Kapitäns erfolgte, auch eines Niehägers. Der wiederum wurde bei der vor Jahren mitgeteilten Korrektur fälschlicherweise als Wustrower Kapitän bezeichnet. Manchmal kommt eben doch noch etwas Licht ins Dunkel der Geschichte. Aber: relative oder absolute Wahrheit?
Reinhard Thon hat uns für einen weiteren Stammtisch eine Auswahl von Seefahrergeschichten aus seinen zahlreichen Büchern angeboten. Dafür werden wir im nächsten Jahr bestimmt einen Termin finden.
Vor dem nächsten Stammtisch liegen im März die Käthe-Miethe-Tage. Wir hoffen auf eine rege Teilnahme der „Stammtischler“.


