mit Dr. Reinhard Rösler, Hohenfelde
Wer den Namen John Brinckman hört, denkt wahrscheinlich an literarische Gestalten wie Käppen Pött bzw. Kasper Ohm, es fällt ihm vielleicht auch Peter Lurenz ein, ohne den der britische Admiral Nelson die Seeschlacht bei Abukir nicht gewonnen hätte. Man denkt eben an Lügengeschichten, Seemannsgarn, beheimatet und erzählt im alten Rostock. Brinckman liebte die Stadt, auch sein berühmtes Lied vom Vagel Grip kündet davon.
Doch bevor Brinckman von 1854 an mit seinen plattdeutschen Texten bekannt wurde, hatte er schon so manches in hochdeutscher Sprache veröffentlicht, bereits 1848 zum Beispiel seine Neuen mecklenburgischen Lieder, herrliche satirische Texte auf das Mecklenburg der Junker in der Vormärzzeit.
Von all dem und von John Brinckmans Leben als Amerikareisender, Schriftsteller und Lehrer wird die Rede sein.
Das Thema dieses Stammtisches fand bei 17 Teilnehmern Interesse.
Dr. Reinhard Rösler aus Hohenfelde war einmal mehr unser Gast und wusste viel von John Brinckman zu berichten, der ein Zeitgenosse von Fritz Reuter war, ebenso wie dieser auf Plattdeutsch schrieb, der Erfolg seiner Werke stellte sich aber erst nach seinem Tode ein.
Der Vater Brinckmans war Rostocker Kaufmann und Kapitän, Brinckman machte an der Großen Stadtschule sein Abitur und begann ein Jurastudium in Rostock. Seine politischen Auffassungen brachten ihm eine mehrmonatige Gefängnisstrafe ein, der Großherzog begnadigte ihn letztlich, Brinckman setzte sein Studium danach aber nicht mehr fort, 1839 ging er nach Amerika, 1842 kam er wieder zurück.
Er nahm eine Hauslehrerstelle an, blieb im Beruf, arbeitete in Dobbertin und Goldberg, und fand 1849 schließlich in Güstrow eine feste Anstellung. Einschließlich einiger Privatstunden musste er wöchentlich bis zu 41 Stunden unterrichten, zu Hause hatte er 10 eigene Kinder, dazu 16 Schüler in Kost und Logie.
Seit 1854 veröffentlichte er plattdeutsche Gedichte und Erzählungen, in die uns Dr. Rösler zahlreiche Einblicke gewährte, wir kannten uns am Ende im alten Rostock ganz gut aus. „Kaspar Ohm un ick“ ist mit vielen Lausbubenstreichen eine Erinnerung an Brinckmans Kindheit. Wenn er auch nur bis ins Baltikum gekommen ist, schwadroniert er über den Staatselefanten von Batavia, will auf seinem Vosswallach ausreiten, was Jo Jastrams Denkmal von 1988 in der Rostocker Badstüberstraße herrlich darstellt, Peter Lurenz gewinnt mit seiner „horizontalen Peilung un den submarinen Pegel“ für Admiral Nelson die Seeschlacht von Abukir.
In „Vagel Griep“ macht Brinckman mit Gedichten eine große Verbeugung vor seiner Vaterstadt, in „Voß un Swinägel“ erzählt er das bekannte Märchen vom Fuchs und Hasen anders, manches ist erst aus dem Nachlass veröffentlicht worden, z.B. „Höger up“. Die anschließende Diskussion förderte diesmal sogar eine literaturgeschichtliche Neuigkeit ans Tageslicht. Manfred Gütschow wusste zu berichten, dass seine Urgroßmutter seinerzeit in Wustrow John Brinckman bei dessen Besuch manches über die damalige Fischländer Segelflotte berichtet hat, was in „Höger up“
(https://www.zvab.com/servlet/BookDetailsPL?bi=17137149925&searchurl=an%3Dbrinckman%26sortby%3D20%26tn%3Dh%25F6ger%2Bup&cm_sp=snippet-_-srp1-_-image2) seinen Niederschlag gefunden hat. Brinckman erzählt ein altes Märchen, bei ihm gelingt es dem Bauernjungen Achim zum Ritter aufzusteigen (höher rauf, höger up) und dabei die schöne Ratsherrentochter Mariechen Klävenow zu erringen.
Manfred Gütschow hatte im letzten Oktober sein Buchprojekt „Das Erlöschen der Erinnerung an Fischlands große Zeit“ vorgestellt. Nun können wir sein Buch in den Händen halten. Glückwunsch! Bei Dr. Rösler bedanken wir uns mit dem Buch „Unser Haus in Althagen“, in dem die Familie Miethe in Briefen vorgestellt wird.


