mit Cornelia Nenz, Neustrelitz und Hannelore Matthias, Wustrow
1927 schrieb Tarnow über sich:
Ick kreg mit’n Mal so’n Jieper tau fantesieren un tau riemen, un schrew allerhand Kram, un wenn’ck dat vörläsen ded, denn lachten de Lüd, un dat hett mi kettelt, un ich schrew ümmer mihr, un dunn würd’t ein Bauk, un de Lüd köften dat, un ick hew mi dacht: Na, denn man tau!
Noch heute kennen wir von ihm seinen „Köster Klickermann“, den „Schaulpatron von Groß-Clamohn“, den „Lübecker Martensmann“ und manch anderes. Seine literarischen Hinterlassenschaften sind vielseitig.
Wir freuen uns auf Frau Dr. Nenz und Frau Matthias, die uns mit Leben und Werk dieses plattdeutschen Dichters und Schriftstellers näher vertraut machen werden.
Nach dem Extra-Stammtisch ist dies eigentlich schon der 49. Stammtisch.
30 Teilnehmer waren auf Rudolf Tarnow gespannt. Dazu hatten wir (wieder) Dr. Cornelia Nenz zu Gast, die uns bereits im letzten Jahr einen „Tarnow-Abend“ versprochen hatte. Mit projizierten Bildern unterstützt und durch zahlreiche, im Tarnowschen Platt vorgetragene Texte angereichert, die auch von Hannelore Matthias herzerfrischend gestaltet wurden, lernten wir Rudolf Tarnow umfassend kennen, mit seinen Ecken und Kanten, mit seinen meist lustigen Gedichten, die eine weitere Verbreitung erfuhren, mit seiner Bewunderung für Fritz Reuter, für den er zu dessen 100. Todestag ein Gedicht schrieb, das bei der Grundsteinlegung für das Reuterdenkmal in Stavenhagen ins Fundament mit eingemauert wurde, der in Parchim, Schwerin und Ludwigslust lange Jahre bei den Soldaten war, bei den Dragonern und bei den Grenadieren, und schließlich Betriebsinspektor in der Nervenheilanstalt in Schwerin wurde, und immer nebenher dichtete, zahlreiche Vortragsabende und -reisen absolvierte, dabei auch nach Wustrow kam, wo er sich der Kälte wegen fast auf dem Nordpol wähnte.
Aus den Jahren des ersten Weltkrieges gab es bei Tarnow aber auch einen Hurra-Patriotismus, der später von den Nazis ausgenutzt wurde. Das erklärt wohl auch die anfängliche Abstinenz bei weiteren Auflagen seiner Werke nach 1945. Heute verlegt Hinstorff immer wieder den „Köster Klickermann“, die „Burrkäwers“ und andere Werke Tarnows.
Über alle dargebotenen Texte konnten wir immer wieder schmunzeln. Dabei schaute uns den ganzen Abend auch Tarnow selbst zu – auf einer großformatigen Fotografie, die einst seine Tochter Hermann Saatmann nach einer Aufführung der Fischländer Späldäl schenkte und die jetzt sein Sohn auf dem Familienarchiv mitbrachte.
Einige Gedichte Tarnows waren seinerzeit auch als Schmuckblätter weit verbreitet, z.B.:
Mötst di nich argern, hett keinen Wiert,
Mötst di blot wunnern, wat all passiert,
Mötst ümmer denken, de Welt is nich klauk,
Jeder hett Grappen, du hest se ok!
Die erste Zeile nahm Dr. Cornelia Nenz als Motto für ihren Vortrag. Recht so!
Die Sammlung von Büchern Käthe Miethes in Malchens Café konnten wir an diesem Abend mit einem Geschenk von Familie Dümmen aus Wesel am Niederrhein mit „Schifferkinder“, geschrieben 1930, ergänzen, in deren Besitz das Buch seit 1949 war, als damaliges Geburtstagsgeschenk.


