Marianne Clemens (23.11.1912 – 12.05.2018) – Die Tochter von Otty Kaysel in unseren Erinnerungen

mit Gisela und Dr. Helmut Seibt, Wustrow


Im Frühjahr starb in Hamburg Marianne Clemens. Sie hatte, wie sie einmal schrieb, „zwei Heimaten“ – Hamburg und Ahrenshoop. Ihr Leben war mit unserer Gemeinde zutiefst verbunden. Jeder von uns Heutigen kannte diese sehr heutige Frau, deren Wiege noch im Kaiserreich stand und deren Mutter der Familie wegen 1910 das Malen weitgehend aufgab.

Was uns bleibt, sind ihre Bücher und das Ahrenshooper Otty-Kaysel-Haus.

Lassen Sie uns in den Büchern blättern und persönliche Erinnerungen an Marianne Clemens austauschen.


Da wir das Thema geändert hatten und die Ostseezeitung diesmal auch nicht unsere Einladung druckte, kam unsere Einladung nur über digitale Kanäle an die interessierte Öffentlichkeit. Dadurch wurden nicht alle erreicht, von den 18 Teilnehmern blieben aber trotzdem alle.

Wir erwiesen noch einmal dem „Jahrhundertleben“ von Marianne Clemens, wie wir es auf der Einladung formuliert hatten, unsere Ehre. Dabei gingen wir bis an die Anfänge der Künstlerkolonie zurück, da ihr Großvater mütterlicherseits Otto Kaysel 1896 in Ahrenshoop ein Haus gekauft hatte, das zu einem frühen Treffpunkt für die damaligen Kolonisten wurde. 1910 wurde die Hochzeit von Otty Kaysel mit Rudolf Ziel zu einem Dorfereignis, wie Marianne Clemens in ihren Erinnerungen berichtet. Sie selbst wurde 1912 geboren, heiratete 1933 einen Referendar ihres Vaters, der bis zu dieser Zeit Landgerichtspräsident in Chemnitz war, von den neuen Machthabern aber aus dem Amt gejagt wurde. Die ganze Nazizeit über fanden Rudolf Ziel und seine Frau Zuflucht in Ahrenshoop, in ihrem Haus, dem heutigen Otty-Kaysel-Haus in der Dorfstraße. Sie fanden gute Nachbarn. Marianne Clemens wohnte mit ihrer Familie zwar in Hamburg, zog aber nach der Geburt ihres zweiten Sohnes 1940 wegen des Bombenkrieges wieder zu ihren Eltern nach Ahrenshoop. Kurz vor Kriegsende gelang ihr auf mühevollem Weg die Rückkehr nach Hamburg, in der dortigen Mietwohnung im Butenfeld lebte sie 74 Jahre, bis an ihren Tod. Ziels gingen bald wieder nach Chemnitz, wechselten dann aber in die Bundesrepublik. In den frühen 1950-er Jahren ging Marianne Clemens mit ihrer Familie für vier Jahre in die USA, wo ihr Mann für die Bundesregierung tätig war. In den letzten Jahrzehnten war ihr gesellschaftliches Engagement sehr hoch – im Deutsch-amerikanischen Frauenclub in Hamburg, im Literaturkreis in Groß Borstel, insbesondere nach der Wende auch hier in Ahrenshoop. Sie hatte „zwei Heimaten“ – Hamburg und Ahrenshoop.

Gut für uns, dass sie dem Drängen ihrer Kinder und Enkel nachgab und rückblickend vieles aufschrieb. Es entstanden drei Bücher. Aus „Unruhige Zeiten für unser Land“ konnten wir so viele Stationen ihres langen Lebens mit kurzen Textstellen illustrieren. In der Diskussion wurde immer wieder ihre Fähigkeit auf Menschen zuzugehen, tolerant zu sein, hilfsbereit und bescheiden, hervorgehoben.

Vor Jahren schon haben wir während der Ahrenshooper Literaturtage mit ihr abgesprochen, dass die Lebenserinnerungen ihres Vaters, die er anlässlich seines 80. Geburtstages für die Familie zu Papier gebracht hatte und die über viele Passagen eine wahre Chronik der Ahrenshooper Künstlerkolonie darstellen, veröffentlicht werden sollten. Bisher ist es leider nur bei dieser Absicht geblieben.


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