„Kann sein, ich stehe im August plötzlich vor Deiner Tür“ – über das „unschlüssige“ (Schreyer) und „provisorische“ (Reimann) Leben zweier Schriftsteller

mit Dr. Margrid Bircken, Seehausen/Altmark


Brigitte Reimann (1933-1973) wäre in diesem Jahr 90 Jahre alt geworden, Wolfgang Schreyer (1927-2017) hätte 2017 seinen 90. Geburtstag gehabt. Kurz vorher ist er gestorben und hat leider nicht mehr erlebt, dass der Briefwechsel zwischen ihm und Brigitte Reimann herauskam, an dessen Drucklegung ihm viel lag. „Ich möchte so gern ein Held sein“ erschien mit 540 Seiten in einer umfangreich kommentierten Ausgabe 2018 im Okapi-Verlag Berlin.

Dieser Briefwechsel soll Angelpunkt für das schlaglichtartige Ausleuchten des Lebens beider Schriftsteller sein.


Das Dreiviertelhundert ist also geschafft. Das war uns Anlass, mit den 32 Teilnehmern dieses Stammtisches wieder einmal „Braunes aus weißen Tassen“ zu zelebrieren und mit einer Verbeugung vor unserer Protagonistin auf diese anzustoßen. Vielleicht schreibt darüber wieder eine Zeitung in Bandenburg Unwahres über uns.

Das August-Thema kam durch einen Wechsel auf die Tagesordnung, alle waren unterrichtet, keiner ging.

Dr. Margrid Bircken und Rainer Dyk waren unsere Gäste, wir freuten uns aber auch, dass Ingrid Schreyer unserer Einladung gefolgt war.

Der intensive Briefwechsel ist offen und höchst persönlich, anrührend, kurzweilig, aber auch ein spannendes Zeitzeugnis.

Wir verfolgen Brigitte Reimanns Weg von Burg über Hoyerswerda nach Neustrelitz, ihr literarisches Schaffen, ihre Zweifel, ihre Krebserkrankung, die schließlich die Arbeit an ihrem Roman „Franziska Linkerhand“ unvollendet lässt, dessen postume Veröffentlichung in der heutigen Zeit eine begeisterte Rezeption erfahren hat. Heute ist im ehemaligen Wohnhaus von Brigitte Reimann das Literaturzentrum Neubrandenburg ansässig. 1999 wurde die Brigitte-Reimann-Gesellschaft gegründet, im Haus befindet sich eine ständige Ausstellung über die Schriftstellerin.

Wolfgang Schreyer wird einer der erfolgreichsten Autoren der DDR, dessen Bücher heute mit über 5 Millionen Exemplaren eine beeindruckende Gesamtauflage vorweisen können. Der Briefwechsel dieser so unterschiedlichen wie auch einander solidarischen Autoren behandelt Fragen des literarischen Schaffens ebenso wie Entwicklungen in Politik und Kultur, er zeugt von großer Zivilcourage, wenn es um gesamtgesellschaftliche Entwicklungen bzw. um strittige Diskussionen im Schriftstellerverband geht.

Schreyers Haus im Niemannsweg in Ahrenshoop war immer auch eine angesagte Adresse unterschiedlichster Akteure eines breiten kulturellen Spektrums aus Ost und West, in seinen „Ahrenshooper Begegnungen“ setzt er sie noch einmal in Szene. Zu Brigitte Reimann, aber auch zu zahlreichen anderen Gästen des Hauses, kamen wir mit Ingrid Schreyer, Jg. 1944, der zweiten Ehefrau von Wolfgang Schreyer, die ihren Mann Anfang der 1960-er Jahre kennenlernt und die seit 1973 in Ahrenshoop ansässig ist, in ein Gespräch, das uns über das anstehende Stammtischthema hinaus zahlreiche weitere Einzelheiten über das literarische Ahrenshoop vermittelte.


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