mit Dr. Reinhard Rösler, Hohenfelde


Ehm Welk (1884 – 1966), der heute noch mit seinen Romanen vielen in Erinnerung geblieben ist, dessen Figuren der Heiden und der Gerechten von Kummerow in Filmen überdauerten und seit Jahren im Borner Sommertheater auf dem Darß in immer weiteren Folgen auf die Bretter der Freilichtbühne gebracht werden, kam durch „innere Emigration“ über die NS-Zeit. In diesen Jahren entstanden die Kummerow-Bücher.

1945 war in vieler Hinsicht für ihn ein Neuanfang. Diesen letzten Lebensabschnitt stellt Dr. Reinhold Rösler in den Mittelpunkt seiner Darlegungen.


Ehm Welk braucht sich um seinen Nachruhm offenbar nicht zu sorgen. 25 Teilnehmer fanden sich ein und erfuhren von Dr. Reinhard Rösler manch Neues aus der Biographie dieses 1966 verstorbenen Schriftstellers, dessen Werke aber immer noch präsent sind, besonders die drei Kummerow-Bände. Deshalb freuten wir uns auch ganz besonders, dass der Intendant der Borner Darßfestspiele, Holger Schulze, unserer Einladung gefolgt war, der seit Jahren immer neue Episoden aus dem Leben in diesem uckermärkischen Dorf erfolgreich auf die Bühne stellt. Es gab an diesem Abend noch drei weitere Bereicherungen, die das Vorgetragene zu Welks Wirken als Schriftsteller, als Gründer von und Lehrer an Volkshochschulen im Mecklenburg-Vorpommern nach dem Kriege und als Funktionär des Kulturbundes, vor allem in Schwerin, ergänzten. In diese Schweriner Zeit fallen auch Debatten über den Umgang mit der NS-Vergangenheit, über das Verhältnis von bürgerlicher Literatur und sozialistischem Realismus, die Welk (in Deutschland geblieben, nach seiner Verhaftung/Freilassung mit bedingten Berufsverbort belegt) und Adam Scharrer (konnte der steckbrieflichen Suche durch Emigration entkommen, kam über die CSR in die Sowjetunion) nach einer Gedenkrede Welks für Ricarda Huch öffentlich führten, endend mit dem tragischen Tod Scharrers (1948, Herzinfarkt). Detlev Kunter aus Röbel präsentierte in einer kleinen Ausstellung das literarische Werk von Ehm Welk und Adam Scharrer, fast durchweg durch Erstausgaben der Bücher. Dr. Uwe Boosmann aus Bad Doberan stellte die vielseitige Arbeit des Ehm Welk-Hauses als Literaturmuseum und Begegnungsstätte vor (der fehlende Bindestrich zwischen Ehm und Welk bei der Hausbezeichnung ist eine testamentarische Festlegung des Schriftstellers!). Manfred Gütschow aus Wustrow erinnerte an Begegnungen mit Ehm Welk im Rahmen der Kulturbundtätigkeit in Ahrenshoop, an Lesungen im Althäger Ostseehotel von Oehmcke, dem jetzigen Haus Antje, und an zahlreiche Gespräche Ehm Welks mit seiner Großmutter, einer Kapitänswitwe, von der sich der Schriftsteller vieles aus der Schifffahrt berichten ließ. Die Ausführungen von Dr. Rösler, der sich mit der Literatur im Mecklenburg-Vorpommern der Nachkriegszeit umfassend beschäftigt hat, wurden von zahlreichen Fotos und Abbildungen begleitet, mit denen die Inhalte durch weitere Details ergänzt wurden. Wir fühlten uns fast hineinversetzt in das Haus in der Doberaner Dammchaussee, das Ehm Welk mit seiner Frau Agathe von 1950 bis zu seinem Tod bewohnte, in sein Arbeitszimmer, in die große Bibliothek, lernten das Sommerhaus als Schaffensplatz im Garten für die wärmere Jahreszeit kennen, begegneten zwischendurch dem Kater – und wurden letztlich auch ein wenig neidisch, wenn wir an die 1961 versäumte Gelegenheit dachten, die Althäger Büdnerei von Käthe Miethe nach deren Tod ähnlich zu nutzen, bescheidener zwar, Großschriftsteller und Nationalpreisträger (II. Klasse) wie Welk war sie zwar nicht, aber …



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