Dr. Ulrich Ludwig Heinrich Karl Lettow (1865 – 1934) – die Steinzeit und das Steinzeitfieber auf dem Fischland gestern und heute

mit Gisela und Dr. Helmut Seibt, Wustrow


Wenn wir diesmal beim Stammtisch in der Geschichte um gut 100 Jahre zurückgehen, kommen wir zu einem Wustrower, mit dem wir Jahrtausende zurückblicken können, zu Dr. Ulrich Ludwig Heinrich Karl Lettow, seit 1891 in Wustrow niedergelassener Communal-, Impf- und Badearzt,

Im Band 64 (1899) der Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde hat er zusammen mit Prof. Geinitz einen ausführlichen Bericht über seine Funde am Hohen Ufer veröffentlicht und 1902 in der Rostocker Zeitung seine Sammlung dieser prähistorischen Funde vorgestellt.

Mit Hilfe dieser beiden Quellen, ergänzt durch Fundstücke aus dem Archiv der Gemeinde Wustrow, versuchen wir einen Überblick über die „Fundstätte von Feuersteingeräthen bei Ostseebad Wustrow a. d. Fischland“ zu geben, die Lettowsche Sammlung und deren Schicksal vorzustellen, uns aber auch die Familie von Dr. Lettow etwas näherzubringen, insbesondere seine erste Ehefrau Margarete Luise (1868 – 1902) und die Töchter Toska Julie Käthe (1895 – 1985, aus erster Ehe) und Ingeborg Carmen (1904 – 1962, aus zweiter Ehe).

Käthe Miethe hat sich in ihrem Fischlandbuch auch ausführlich mit dieser Frühzeit beschäftigt. Lange Zeit vorher gibt es von ihr dazu im Feuilleton der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 04.08.1921 den Beitrag „Steinzeit-Fieber“ (den wir als Fundstück 21 im Juni letzten Jahres wieder zugänglich gemacht haben).

Mit dem Lesen dieses Beitrages möchten wir den Stammtisch beenden.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und einen interessanten Abend!


Diesmal konnten wir u.a. Gäste aus Rostock, Berlin, dem Erzgebirge und der Lüneburger Heide begrüßen, es kamen insgesamt 27 Teilnehmer.

Zwei sehr angenehme Nachrichten stellten wir an den Anfang: Über den letzten Stammtisch steht ein Bericht im aktuellen Monatsblatt des Plattdütsch-Vereins „Klönsnack – Rostocker 7“, der uns vor vier Wochen besuchte (s. Anhang). Und: die Spendensumme für den Druckkostenzuschuss hat sich inzwischen auf 1470 € erhöht. In Absprache mit dem Verlag beabsichtigen wir nun das neue Buch von Käthe Miethe zu den nächsten Ahrenshooper Literaturtagen vorzustellen.

Bevor wir über die Lettowsche Sammlung berichteten, stellten wir zunächst Dr. Lettow und seine Familie kurz vor. Der in Ribnitz geborene Lettow machte sein Abitur in Anklam, promovierte 1889 nach seinem Medizinstudium mit einer Arbeit über ein neues Hypnoticum in Greifswald, bestand dort 1890 die Staatsprüfung der Ärzte und erhielt damit die Approbation, arbeitete zunächst in Stargard/Pommern und kam 1891 als Arzt nach Wustrow. Geheiratet hat er 1891 und nach dem Tod seiner Frau noch einmal 1903.

Von Tochter Toska ist bekannt, dass sie seit 1936 bis zu ihrem Tode bei der Österreicherin Grete von Zieritz (1899 – 2001) in Berlin wohnte, einer vielseitigen Komponistin und Pianistin, der sie viele Alltagsarbeiten abnahm. Sie selbst arbeitete bis 1945 als Archivarin am Statistischen Reichsamt. In den Mecklenburgischen Monatsheften gibt es 1928 von ihr den Beitrag „Swante Wustrows 600 jährige Gedenkfeier“, der den 12. August 1328 würdigt als Heinrich der Löwe das Land Swante Wustrow erwarb und dem St. Claren-Kloster in Ribnitz schenkte, wodurch das Fischland zu Mecklenburg kam.

Inge, ihre Halbschwester, ist aus Erinnerungen noch vielen als Kantorin und Organistin an der Wustrower Kirche vor Augen. In ihrem Buch „Das Fischland“ hat Käthe Miethe ihr ein Denkmal gesetzt. In der Kirchenchronik dankt Pastor Wunderlich „ihr für 24 jährigen treuen Dienst an der Orgel und aufopfernde Leitung unseres Kirchenchores auch in schwerer Zeit“. Das Grab der Familie beschreibt Frau Freitag in ihrem Buch über den Wustrower Friedhof.

Margarete Lettow fand im Sommer 1898 auf dem Hohen Ufer Feuersteine. 1896 waren „zum Zwecke der Uferbefestigung … große Mengen Sand abgefahren“ worden. Wie sich herausstellte, lagen dort „eine ungeheure Menge von bearbeiteten Feuersteinen und dabei auch viele gute Feuersteingeräthe, sowie Thongefäßscherben (Urnenscherben) und fossile Knochen“. Lettow berichtete darüber gemeinsam mit Geinitz ausführlich im Band 64 (1899) der „Jahrbücher des Vereins für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde“ (S.181-192).

Die Lettowsche Sammlung hatte 8000 Nummern. Er gab davon zahlreiche Fundstücke an seine ehemalige Ribnitzer Schule, an die Universität Rostock und das Museum in Schwerin. Die Sammlung selbst verkaufte er „nach Bremen“, um mit dem Erlös die Ausbildung seiner Kinder zu finanzieren. Was im Hause blieb, lagert jetzt im Archiv der Kurverwaltung und ist in einer ersten Übersicht erfaßt. 2004 gab es darüber in Wustrow eine Ausstellung.

Die Sammlung wurde nicht nach Bremen verkauft, wie sich durch einfaches Nachforschern finden ließ, sondern an das Roselius-Museum für Vor- und Frühgeschichte in Worpswede. Als 2004 dieses Museum geschlossen wurde (inzwischen eröffnete es 2011 wieder als „Haus für zeitgenössische und moderne Kunst“), kam die Sammlung nach Schloß Gottorf in Schleswig, in die Archäologische Sammlung des dortigen Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums.

Eine Ausleihe der Fundstücke aus dem Archiv der Kurverwaltung war für unseren Stammtisch aus verständlichen Gründen nicht möglich. Wir hätten nur Fotografien zeigen können. Zeichnungen von einzelnen Fundstücken gab es aber auch in dem o.g. Artikel, sodass wir uns durch Herumreichen dieser Seiten begnügen wollten. Es gab aber eine unerwartete Hilfe: Familie Dillwitz hatte eine Schachtel mit Originalen mitgebracht, wie sie sich wohl noch im Besitz mancher Fischländer Familie befinden wird.

Das stimmte auch gut auf das Fundstück 21 „Steinzeit-Fieber“ aus der Reihe „Aus Käthe Miethes Feder“ ein, mit dessen Lesung Frau Matthias einen heiteren Schlusspunkt unter diesen Abend setzte.


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