Die Islandbriefe von Erne Wehnert


Das Leben und Wirken dieser Ausnahmelehrerin, die in der Nachkriegszeit lange Jahre an der Althäger Schule tätig war, stellten wir im Januar 2020 in den Mittelpunkt unseres 52. Stammtisches, später gab es auch eine Ausstellung im Kunstmuseum Ahrenshoop.

Klaus Czerwinski, Schüler von Erne Wehnert, gibt an Hand der Islandbriefe einen Einblick in die Vorkriegsjahre, in denen Erne Wehnert Arbeit im Hohen Norden fand, nachdem auf der Nordseeinsel Juist die Schule am Meer, an der sie bisher gearbeitet hatte, von den Nazis geschlossen worden war.

Im Sommer arbeitete sie dort auf den Höfen, im Winter war sie Wanderlehrerin.


Nun geht eine Ära zu Ende. Das war unser letzter Stammtisch in Malchens Café. Das Café wird geschlossen, der Lebensmittelpunkt von Familie Kuhn wird künftig endgültig Zingst sein, Andrea Kuhn eröffnet dort mit „Monsieur Albert“ ein neues Café. Vier Generationen der Familie Saatmann betrieben seit 1910 in der B 89 ihre Bäckerei, Konditorei, Café, Pension, seit 2015 als Aparthotel mit Malchens Café.

Beim 52. Stammtisch hatten wir uns im Januar 2020 schon einmal mit Erne Wehnert beschäftigt. Mit dem heutigen Thema lernten wir sie aus den 1930-er Jahren kennen, vor ihrer Ahrenshooper Zeit. Nun standen ihre Briefe im Mittelpunkt, die sie in den Jahren auf Island schrieb und in die Heimat schickte. Klaus Czerwinski, der schon 2020 zu den Akteuren gehörte, die uns vieles aus dem Leben von Erne Wehnert vorstellen konnten und uns damit diese Ausnahmelehrerin wieder nahebrachten, eröffnete uns heute mit zahlreichen Briefen vielfältige Einblicke in das Leben und Denken einer damals noch nicht einmal 40-jährigen. Was tat sich da vor uns für eine Welt auf, die Klaus Czerwinski vor uns in über 90 Minuten nonstop ausbreitete. Die 36 Teilnehmer folgten diesen Texten über die ganze Zeit mit anhaltender Aufmerksamkeit.

Nachdem die Nazis 1934 die Schule am Meer auf Juist geschlossen hatten, bekam Erne Wehnert nach ihren dortigen acht Jahren noch einmal für zwei Jahre eine Anstellung in Schwaben, an der Internatsschule Urspring, ging dann aber 1936 nach Island. Sie wollte in den Norden, die Sprache der Edda kennenlernen, Land und Leute erleben, mit praktischer Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen. Bei der Überfahrt begann sie an Bord mit dem Erlernen der neuen Sprache. Die erste Zeit war für sie besonders schwer. Auf sich allein gestellt, mit geringen Sprachkenntnissen, suchte sie Arbeit, probierte Verschiedenes aus. Langsam wuchs sie in die neuartigen Verhältnisse hinein, gewann Freunde, kam im Land herum, gewöhnte sich an das harte Leben mit den Jahreszeiten, auf den einsamen Höfen, in den Bergen, am Meer. Für alles findet ihre Sprache in den Briefen beeindruckende Bilder. Im Winter ist sie auf verschiedenen Höfen auch als Lehrerin tätig. Nach dem Ausbruch des Krieges denkt sie 1939 über ihre Rückkehr nach Deutschland nach, die ihr schließlich auf abenteuerliche Art und Weise über Norwegen und Dänemark auch gelingt.

In der Diskussion wurde der Wunsch geäußert die Briefe in Buchform zu publizieren.


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