mit Heidi Bergmann, Zwickau, Dr. Christa Prowatke, Rostock, und Hannelore Matthias, Wustrow
Der 9. Stammtisch wird drei Neuheiten bringen:
– Wir treffen uns schon eine Woche vorher und dann auch noch an einem Montag.
– Wir wollen mit dem Lesen eines Textes von Claus Stier dieses kürzlich unerwartet verstorbenen Gründungsmitglieds unseres Stammtisches gedenken.
– Wir schreiten unser Motto „Fischland – literarisch in Vergangenheit und Gegenwart“ weiter aus.
Wir freuen uns, dass Frau Heidi Bergmann unserer Einladung gefolgt ist und unter dem Thema
„Fischlandimpressionen – episch und lyrisch“ Einblicke in ihr Schaffen geben wird.
Zu der Kurzprosa und Lyrik, die seit 1989 mehrere Publikationen füllten, kamen in letzter Zeit „Bakelberg im Bernsteinlicht“ (Gedichte 2010) und „Lautlos“ (Gedichte 2015). Die Bank am Bakelberg ruft bei der Autorin Imaginationen und Erinnerungen hevor, die sie in lyrische Impressionen verwandelt, die von einer liebevollen Verbundenheit mit der bezaubernden Landschaft zwischen Meer und Bodden getragen sind – so verspricht es uns Christa Prowatke in ihrer Reihe PRO-mini. Wir haben Frau Dr. Prowatke als langjährige Verlegerin von Frau Bergmann auch eingeladen und sind auf beide gespannt.
Aus den o.g. Gründen wollen wir diesmal den Text von Käthe Miethe an den Schluß stellen:
Fundstück 21 „Steinzeit-Fieber“, passend zum Bakelberg .
Zur Vorbereitung des nächsten Stammtisches sind wir wieder zum „Arbeits-Kaffeetrinken“ in Malchens Café, diesmal am Montag, dem 13. Juni, ab 15 Uhr.
Frau Bergmann brachte einige Gäste mit, Urlauber fanden auch wieder Interesse am Stammtisch, sodass sich 28 Teilnehmer zusammenfanden, wieder eine sehenswerte Anzahl. Unsere Einladung, die wir zur Information auch immer an die Ribnitzer Lokalredaktion der Ostsee-Zeitung schicken, erschien diesmal mit der Überschrift „Heidi Bergmann beim Käthe-Miethe-Stammtisch“ ungekürzt in der Zeitung. Danke!
Wie schon angekündigt, begannen wir mit einer Geschichte von Claus Stier, der vor einigen Wochen verstorben ist. Frau Matthias las „Läbensretter“, eine von 27 Geschichten aus seinem plattdeutschen Band „Fischlänner Struuß“, erschienen 1994 im Altstadt Verlag Rostock und damals von Frau Dr. Prowatke lektoriert. Der Autor erzählt humorvoll und etwas verfremdend eine Geschichte über Maggie Maibloom, die die Einheimischen in unterschiedlichen Ausschmückungen seit Jahrzehnten kennen.
Dann ging Frau Dr. Prowatke zu ihrer eigentlichen Aufgabe über und stellte unseren Gast vor. Sie konnte über eine lange Zusammenarbeit mit Frau Bergmann berichten, aus der eine Reihe von Publikationen hervorgegangen sind. Verlegerin und Autorin hatten dabei stets Freude beim gestalterischen Einsatz von Sprache zum Vermitteln von Inhalten, seien es Gedichte, seien es Erzählungen, die so entstanden.
Für den Hauptteil des Abends hatte Frau Bergmann Gedichte ausgewählt, die in den letzten Jahren entstanden sind, die sie zu einzelnen Blöcken ordnete, zwischen denen dann kurze Geschichten und Erzählungen ihren Platz fanden. Eine Besonderheit waren kurze Gedichte, die im A-6-Format gedruckt als Taschenbuch wirklich in jeder Tasche passen und als Lyrik in der Natur gelesen ihre besonderen Reize entfalten können, zum Beispiel auf dem Bakelberg über den Bakelberg.
Diese höchste Erhebung des Fischlandes hat es Frau Bergmann besonders angetan: Imaginationen und Erinnerungen werden ihr zu Literatur. Der Berg ist ihr bei jedem Fischlandaufenthalt mehrere Besuche wert. Es gibt dazu auch spannende Geschichten, zum Beispiel über das dort aufgestellte Kunstwerk, das inzwischen zwei Namen hat, über dessen Schöpfer, den das gezeigte Interesse zunächst recht verwunderte, über den Tisch mit den zwei Bänken, die zu Unterhaltungen über den Rundumblick einladen.
Daneben wird wohl allen Teilnehmern die Geschichte vom Großvater Brathering lange in Erinnerung bleiben, die uns seine Enkelin – Frau Bergmann ist eine geborene Wustrowerin – über dessen Erfahrungen erzählte, als er seinerzeit mit Segelschiffen auf den Weltmeeren unterwegs war. Eine Geschichte, die von Käthe Miethe stammen könnte.
Die kam dann mit ihrem Feuilleton-Beitrag „Steinzeit-Fieber“ von 1921 zu Worte, dem Fundstück 21 dieses Monats. Ich wählte dieses Stück wegen seiner Bakelberg-„Nähe“. 1898 war dort am Hohen Ufer das Steinzeitfieber ausgebrochen, das wir heute noch am Strand täglich als Hühnergott-, Donnerkeil- oder Bernsteinfieber erleben können, dem viele von uns verfallen sind. Käthe Miethe verglich es damals mit der Malaria, von der man lebenslang auch nicht loskommt.


