mit Jutta Meisner, Berlin
Mit diesem Stammtischthema wollen wir uns etwas näher mit einem speziellen Aspekt in der Gedankenwelt Käthe Miethes beschäftigen. Nicht das Lokalkolorit des Fischlandes, in dem sie sich in vielen ihrer Arbeiten so sicher bewegt, nicht das Zeitkolorit der Segelschiffzeit, das sie fach- und sachgerecht vor uns ausbreitet, nicht die Kapitäne und die anderen Mannsleute, in deren Charaktere sie uns so fassettenreich blicken lässt, sondern die F r a u e n interessieren uns diesmal, die natürlich auch zu etwa 50 Prozent seit eh und je das Fischland besiedeln und die auch in allen Situationen „ihren Mann stehen“ müssen.
Welches Frauenbild hat Käthe Miethe, welches vermittelt sie uns in ihren Arbeiten? Mit diesem Thema hat sich Jutta Meisner beschäftigt, die Nichte von Käthe Miethe.
Wir sind gespannt, zu welchen Erkenntnissen sie dabei gekommen ist. Bekannt ist, dass Käthe Miethe zahlreiche Artikel zu Fragen der Frauenbewegung ihrer Zeit geschrieben hat. Welches Frauenbild tritt uns aber in ihren Werken entgegen, die das Jahrhundert davor als Hintergrund haben?
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und einen interessanten Abend!
Ein besonderer Termin und ein besonderer Stammtisch.
17 Teilnehmer trafen sich eine Woche später als gewöhnlich und erlebten einen Vortrag von Jutta Meisner, der uns am Beispiel von den aus der Fischlandtrilogie von Käthe Miethe ausgewählten Frauenfiguren sehr anschaulich in die damalige Zeit der ausgehenden Segelschifffahrt zurückversetzte und gleichzeitig für die sich anschließende Diskussion zur Rolle der Frau von damals bis heute eine ausgezeichnete Grundlage lieferte.
Auch im 19. Jahrhundert lebte eine Schiffers- oder Bauersfrau nicht nur in gesicherten Verhältnissen, sorgenfrei und glücklich. Vor allem die Unwägbarkeiten der Schifffahrt oder – wie in der „Flut“ beschrieben – von Naturkatastrophen konnten sie von dem einen auf den anderen Tag vor völlig neue Situationen stellen. Selbstständigkeit, Arbeitssuche und -annahme waren dann gefragt, oft aber noch die Ausnahme.
Da wir den im Vortrag geschilderten Verhältnissen den von Frau Matthias uns vorgetragenen Feuilleton-Beitrag Käthe Miethes „Die Junggesellin“ aus dem Jahre 1928 gegenüberstellten, wo Käthe Miethe für die unverheiratete berufstätige Frau eine Lanze bricht, spannte die anschließende Diskussion der „Frauenfrage“ den Bogen für viele Jahrzehnte bis in unsere Tage.
Es erwachte ein Selbstbewusstsein, das bald auf zahlreichen Gebieten auf Reformen drängte und eine Frauenbewegung als politische Kraft entstehen ließ. Das Ende des ersten Weltkrieges beendete in Deutschland nicht nur die Monarchie. Zahlreiche Moralvorstellungen sah man zunehmend als überholt an. Die Weimarer Verfassung brachte zwar den Frauen das Wahlrecht und die Gleichberechtigung, mit der Realisierung letzterer tun wir uns aber auch heute noch bisweilen schwer.
In der Diskussion versuchten wir durch Beispiele aus Käthe Miethes Biographie ihre Positionen zu diesen Fragen zu ergründen. Dabei waren uns die Einblicke, die wir durch die Schilderungen von Jutta Meisner in den Kosmos der Familie Miethe bekamen, sehr hilfreich.
Mit einem Ausblick auf die nächsten Monate endete dieser Stammtisch: Im September haben wir Corinna Kastner zu Gast. Im Oktober werden wir anlässlich der Ahrenshooper Literaturtage Käthes Miethes Buch „Zu den Glücklichen Inseln“ präsentieren (die Spenden für den Druckkostenzuschuss belaufen sich bisher auf 2100 €, davon etwa die Hälfte von 21 Privatpersonen) und in Rostock das Gemälde von Kurt Dunkelmann an den Plattdütsch-Verein „Klönsnack-Rostocker 7“ e.V. übergeben. Im November freuen wir uns auf Cornelia Crohn. Im Dezember sind wir zu einer Frischländer Weihnacht wieder in die Ahrenshooper Mühle.


