mit Dr. Friedrich Kleinhempel, Berlin
„Als Protestant fühle ich mich veranlasst…“ – so begann ein Brief aus Franken, der 1927 an die Badeverwaltung des Ostseebades Wustrow, z. Hd. des Bürgermeisters“ gerichtet war.
Dieser Brief brachte Dr. Friedrich Kleinhempel auf eine Buchidee.
Bei dieser Lesung aus dem Manuskript nimnmt uns der Autor mit in eine Zeit, in der man z. B. mit Urlaubssonderzügen an die See fuhr.
Diesmal blickten wir in der Wustrower Dorfgeschichte ganz schön weit zurück, über 90 Jahre, bis ins Jahr 1927. Dafür interessierten sich 28 Teilnehmer.
Dr. Kleinhempel stellte uns sein neues Buch noch im Manuskript vor, das die Reise von Urlaubern zum Inhalt hat, die mit einem Feriensonderzug aus Franken für eine Woche an die Ostsee kamen. Darüber berichtete ein katholischer Geistlicher aus Rothenkirchen in der Wöchentlichen Unterhaltungsbeilage „Am stillen Herd“ des Kronacher Tagblattes. Dieser Bericht kam dem Wustrower Bürgermeister damals als Anhang eines Schreibens zur Kenntnis, das mit „Als Protestant fühle ich mich veranlasst …“ begann. Richtig spannend!
Der Zug fuhr von München bis Ribnitz, längere Aufenthalte gab es in Leipzig und Rostock, mit mehreren Dampfern wurde schließlich Wustrow erreicht. Dort wurde gebadet, Dampferfahrten unternommen, auf dem Bodden, aber auch von Warnemünde aus nach Gedser. Es gab viele Begegnungen mit der Bevölkerung, abends wurde getanzt, das Tonnenabschlagen wurde erlebt und eine Vorführung zur Seenotrettung, ein Preisschießen fand statt und ein Trachtenzug.
Ausführlich wird in dem Bericht natürlich aus katholischer Sicht der protestantische Norden geschildert, das kirchliche Leben beschrieben, Unterschiede aufgezeigt, auch kritisch, das Lesen katholischer Messen war an verschiedenen Stellen aber möglich.
Dr. Kleinhempel nahm Teile des Berichts immer wieder zum Anlass für zusätzliche Erläuterungen aus heutiger Sicht, zumal manche geschilderten Zustände uns heute noch recht vertraut sind.
Insgesamt erlebten wir unseren Badeort mit dem Blick auf den Unterschied des geteilten Christentums von einer Position aus, der wir heute vielleicht bei uns einen geringeren Stellenwert beimessen, der aber bezüglich der unsere Tage weltweit erschütternden Auseinandersetzungen, die oft im Namen von Religionen geführt werden, an Bisanz wesentlich zugenommen hat.
Das Buch wird voraussichtlich im nächsten Jahr erscheinen. Wer den Bericht aus dem Kronacher Tagblatt ausführlicher lesen möchte, der kann das z.B. jederzeit auf der Internetseite der „Vereinigung der Kapitäne und Schiffsführer des Fischlandes“ tun:
http://0495911839.mwebhost.eu/historisch/ostseefahrt/ostseefahrt.html


