Vortrag und Gespräch mit Rainer Paasch-Beeck, Kiel
In diesem Sommer wäre Uwe Johnson 90 Jahre alt geworden, er starb aber bereits 1984 mit 49 Jahren.
Die Festlegung als „Dichter beider Deutschlands“ lehnte er zwar ab, war es aber dennoch. Im NDR sagte Irene Altenmüller Anfang dieses Jahres über ihn:
„Die deutsche Teilung und das, wie sie in das Individuum hineinwirken, diese Themen sind zentrale Motive seines Werkes. Die Schicksale von Johnsons Figuren sind, obgleich auch universell lesbar, sehr deutsche Schicksale.“
Das Fischland ist das schönste Land in der Welt.
Gesine Cresspahl in Uwe Johnson “Jahrestage“, S. 1495
Eingeladen hatten wir wieder an einen anderen Ort, wieder an einen sehr schönen, ins Foyer des Kunstmuseums Ahrenshoop. Es kamen 31 Interessierte.
Uwe Johnson, mit dessen literarischem Werk wir uns heute beschäftigen wollten, stand hier schon einmal auf der Tagesordnung: In einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung beschäftigte sich Dr. Heidi Gidion aus Göttingen am 4.4.2016 im Rahmen der damaligen Winterakademie mit den „Jahrestagen“.
Nun erinnerte Rainer Paasch-Beeck von der Universität Kiel anlässlich von Johnsons 90. Geburtstages an diesen als großen Chronisten Mecklenburgs. Er hatte dankenswerterweise diese Aufgabe von Prof. Dr. Helbig, dem ersten Inhaber der Uwe-Johnson-Stiftungsprofessur an der Universität Rostock, übernommen, der krankheitsbedingt verhindert war.
Mit Rainer Paasch-Beeck unternahmen wir eine interessante Reise durch die fast 2000 Seiten der vier Bände der Jahrestage, bei der wir auf viele bekannte Stellen trafen, Neues hörten, einordneten, Vergleiche anstellten. Malchen und ihre Zeit tauchten wieder vor unseren Augen auf. Eine besondere Freude für uns war, dass Malchens Sohn Jürgen mit seiner Frau vom Saatmannschen Haus über die Straße gekommen war und mit uns den Abend verbrachte.
Zu vielen Textstellen von Johnson hatte Rainer Paasch-Beeck entsprechende Stellen von Käthe Miethe herausgesucht, aus ihrem Fischlandbuch, und stellte in seinem Vergleich manche Gemeinsamkeiten beider Autoren fest. Er gab sich auch als Sammler früher Bücher von Käthe Miethe zu erkennen, von ihren Jungmädchenbüchern, wie wir sie heute für uns bezeichnen. Da konnten wir stolz auf die hiesige Bibliothek verweisen, die diese Bücher heute gesammelt in ihrem Fundus verzeichnet.
Schließlich gingen wir in die Nacht mit der festen Überzeugung, dass Johnsons Satz vom Fischland als dem besten Platz auf der Welt auch heute noch seine Berechtigung hat.


