K a t z e n t i s c h – niederdeutsch schreibende Frauen aus Mecklenburg und Pommern im gesellschaftlichen Gefüge ihrer Zeit

mit Dr. Cortnelia Nenz, Neustrelitz


De schönste Schmuck, so hürt ick letzt,
is för ne rechte Fro, dat sei alltied
to ehren Mann sachmäudig is un tru.
Luise Kaliebe (1865-1947)

Als frühere langjährige Direktorin des Fritz-Reuter-Literaturmuseums in Stavenhagen kennt sich Frau Dr. Nenz in Wort und Schrift mit dem Niederdeutschen bestens aus. In der Regional- und Dialektliteratur, deren Bedeutung nach 1848 zunahm, traten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vielfach auch Frauen mit ihren Werken an die Öffentlichkeit, die aber erst einmal am Katzentisch der niederdeutschen Literatur Platz nehmen mussten.

Einige dieser Autorinnen wird uns Frau Dr. Nenz näherbringen, indem sie über deren Herkunft, Ausbildung, die Gründe für ihr Schreiben, ihre Forderungen an diese Literatur und an die Gesellschaft und die Resonanz, die das bei der Leserschaft fand, berichtet.

In gewisser Weise steht Käthe Miethe in der Tradition dieser frühen Schriftstellerinnen. Sie wirkte hauptsächlich im niederdeutschen Raum als vorwiegend hochdeutsch schreibende Heimatschriftstellerin, die sich noch Jahrzehnte später in der Frauenbewegung ebenfalls für eine Gleichbehandlung in der Männerwelt aktiv einbrachte.


Eigentlich wollte Frau Dr. Nenz ihren Vortrag auch mit Bildern illustrieren, Laptop und Beamer wollten aber nicht miteinander kooperieren. Die Technik …

Die 18 Teilnehmer erlebten aber auch so einen äußerst interessanten Vortrag zu einem Thema, das nicht nur im vorletzten Jahrhundert die Gemüter bewegte. Wenn auch nach langen Kämpfen, insbesondere der Frauenbewegung, die Gleichberechtigung von Mann und Frau heute in vielen Verfassungen festgeschrieben ist, ist die Umsetzung dieses eigentlich selbstverständlichen Grundsatzes noch lange kein Selbstläufer.

Wir erlebten diese Problematik am Beispiel niederdeutsch schreibender Schriftstellerinnen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In einer Auswahl aus 33 Autorinnen, mit denen sich Frau Dr. Nenz beschäftigt hatte, brachte sie uns nicht nur sehr unterschiedliche Biographien und Schreibanlässe dieser Frauen nahe, wir genossen auch immer wieder Beispiele aus deren Werken, vorgetragen – und immer wieder mit Beifall bedacht – in dem auch hier geliebten Niederdeutsch. Für viele ein Balsam für die Ohren.

Viele der Autorinnen, von denen uns Heutigen nur noch wenige bekannt sind – etwa Martha Müller-Grählert und Alwine Wuthenow -, kamen aus der damaligen gesellschaftlichen Mittel- bzw. Oberschicht, brauchten das Schreiben also nicht unbedingt zum Broterwerb. Manche orientierten sich an Fritz Reuter oder Klaus Groth, manche schrieben unter Pseudonymen, zum Teil ihr Geschlecht verheimlichend. Publikationsmöglichkeiten fanden sie in Verlagen und Zeitschriften, nicht nur in Mecklenburg oder Pommern.

Pflege und Verbreitung der niederdeutschen Sprache in unserer Zeit war anschließend ein interessanter Diskussionspunkt. Bereichernd für uns waren dabei Einblicke, die uns Frau Dr. Nenz in ihre derzeitige Arbeit als Vorsitzende des Heimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern e.V. und in die Arbeit des Beirates des NDR gab. Dabei wurde deutlich, dass auch im Zeitalter der Globalisierung Heimatliteratur nicht ihre Bedeutung verliert.

Dankbar waren wir für das Angebot, im nächsten Jahr einen Rudolf-Tarnow-Abend des Stammtisches zu gestalten.

Abschließend setzten wir mit Blick auf den letzten Teil unserer Hommage zum 125. Geburtstag von Käthe Miethe die vor vier Wochen begonnene Geldsammlung für eine Spende von frühen Büchern der Schriftstellerin an die Käthe-Miethe-Bibliothek fort und erreichten dabei ein Ergebnis, das die Spende im geplanten Umfang ermöglicht. Dafür bedanken wir uns bei allen Spendern.


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