mit Corinna Kastner, Hannover
Waren wir beim letzten Stammtisch mit dem 20. Jahrhundert, in dem Käthe Miethe lebte, und mit dem 19. Jahrhundert, in dem ihre Romane angesiedelt waren, die uns vor vier Wochen beschäftigten, weit in der Vergangenheit, rücken wir diesmal wieder mehr an die Jetztzeit heran – eben „gestern und heute“.
Corinna Kastner ist auf dem Fischland schon lange keine Unbekannte mehr, auch wenn sie in Hannover lebt. Aus ihrer offiziellen Autorenbiographie erfahren wir: 1965 in Hameln geboren. Sie arbeitet am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover und fühlt sich an der Ostsee am wohlsten. Besonders das Fischland inspiriert sie sowohl schriftstellerisch als auch fotografisch. Seit 2005 veröffentlicht sie schauplatzorientierte Spannungsromane – unter anderem den Fischland-Roman »Die verborgene Kammer« (2009) sowie die Küsten Krimis »Fischland-Mord« (2012), »Fischland-Rache« (2013), »Fischland-Feuer« (2015), »Fischland-Verrat« (2016) und »Bodden-Tod« (2017).
Sie hat vor, ein bisschen was von sich und etwas mehr von ihrem Schreiben zu erzählen, die Entwicklungen von Figuren und Geschichten, wie das alles zusammenhängt und natürlich davon, wie sie zum Fischland kam.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme und einen interessanten Abend!
In der heutigen Fischlandliteratur ist Frau Kastner seit einigen Jahren keine Unbekannte mehr, mit ihren Fischland-Krimis hat sie sich inzwischen einen Leserstamm geschaffen, den sie sogar zu Krimi-Wanderungen aktivieren kann, die zu einzelnen Schauplätzen ihrer auf dem Fischland angesiedelten Kriminalgeschichten führen.
Wir konnten sie nun beim Stammtisch willkommen heißen und die 18 Teilnehmer erlebten auf die Frage, wie sie gerade auf das Fischland verfallen sei, eine wahre Liebenserklärung an Land und Leute hier. Beim Erkunden der Küste wollten sie und ihr Mann eigentlich bis Usedom, das Fischland hält sie aber immer noch gefangen.
Beim Schreiben, das schon früh einsetzte, versuchte sie sich zunächst an anderen Inhalten. Das Milieu um einen Kriminalfall schien ihr dann aber besonders geeignet zu sein, immer wieder neue Handlungsstränge anzudocken, neue Personen einzuführen und somit zu einer Vielfalt zu kommen, die das Interesse der Leser auch in immer neuen Teilen aufrechterhält. Diese Absicht geht bis heute auch gut auf.
Interessant waren für uns die Einblicke in die schriftstellerische Werkstatt, die uns Frau Kastner gab: Der rote Faden, den es zwar geben muss, der beim Schreiben aber kein Dogma sein darf, ist immer wieder zu hinterfragen und weiterzudenken. Der Verleger muss die einzelnen Entwicklungen aber auch mittragen, der vereinbarte Umfang muss gewahrt bleiben. Zweiergeschichten sollten nicht immer nur Zweiergeschichten bleiben, mit weiteren Personen lassen sich die Probleme auch weiter ausleuchten, Gegenspieler sind möglich. Wagnisse, ob der Leser dem Autor die Inhalte auch „abnimmt“, sollte man durchaus eingehen, wenn auch die Gefahr des Scheiterns gegeben ist. In der Darstellung sollte man in den Bereichen bleiben, die man gut genug kennt.
Diese und andere Gedanken erläuterte Frau Kastner immer mit kurzen Zitaten aus ihren Büchern. Wir lernten damit Teile ihres Weges beim Entstehen der Handlung eines Buches anschaulich kennen, wir bekamen aber auch Einblicke in die Schreibwerkstatt im engeren Sinne: Wie und wo entstehen Gedanken, wie werden sie fixiert, was folgt alles nach dem ersten Entwurf, gibt es einen Zeitplan, wie verhält sich das Freischaffende zum eigentlichen Broterwerb an einer Hochschule.
Darüber kamen wir mit Frau Kastner in eine anregende Diskussion. Danke!
Mit dem Verweis auf die inzwischen erfolgte Präsentation des Käthe-Miethe-Buches „Zu den „Glücklichen Inseln““ während der 16. Ahrenshooper Literaturtage möchten wir auch hier den erfolgreichen Endspurt in dieser langen „Buchwerdung“ ankündigen.
Und – Denkaufgabe: Der anstehende 125. Geburtstag von Käthe Miethe am 11.03. 2018 sollte sich im Programm der zu dieser Zeit stattfindenden Käthe-Miethe-Tage besonders widerspiegeln.


