„Ich eröffne hiermit die Diskussion!“ – eine wieder aufgefundene Komödie von Käte Marcus und Käthe Miethe


Die Erwartung, dass das neue Format auch Interesse findet, war groß. Zur Eröffnung der MuseumsAKADEMIE konnten 27 Teilnehmer begrüßt werden, ein guter Anfang wie wir meinen.

Mit dem gewählten Thema hatten wir wohl auch einige wirklich neugierig gemacht. Als uns vor einiger Zeit dieses völlig unbekannte Werk erreichte, waren auch wir voller Staunen: Käthe Miethe und eine Komödie, auch noch als Gemeinschaftswerk mit einer anderen Käte?

Frau Prof. Dr. Marie-Theres Wacker aus Münster konnte uns da aber auf die Sprünge helfen. Diese Informationen stellten wir auch jetzt an den Anfang. Käte Marcus, ein Jahr älter als „unsere“ Käthe, wuchs als Älteste von vier Geschwistern in einem „liberal-jüdisch orientierten, in die bürgerliche Münsteraner Gesellschaft integrierten Elternhaus auf“, wie Marie-Theres Wacker schreibt. Die Hochschulreife musste sie in einem dreijährigen privaten Gymnasialkurs erwerben und die Abiturprüfung dann an einem Knabengymnasium ablegen, damit sie anschließend studieren konnte. Als Fach wählte sie Nationalökonomie, als Promotionsthema schließlich „Der kapitalistische Großbetrieb im Kunstgewerbe“. Danach ging sie im Sommer 1918 nach Berlin und begann als Journalistin zu arbeiten. Bei der „Neuen Frauen-Zeit“ kreuzten sich offenbar die Wege der Dr. Käte ohne „h“ mit unserer Käthe mit „h“. Beide arbeiteten in den folgenden Jahren journalistisch viel zur neuen Rolle der Frau in der Gesellschaft und beschäftigten sich mit Problemen der Frauenbewegung.

Dass unter diesen Rahmenbedingungen schließlich ihre Komödie entstehen konnte ist naheliegend. Sie erscheint 1929 als Manuskriptdruck bei Oesterheld & Co. in Berlin, einem der wichtigsten Theaterverlage der damaligen Zeit. Was wurde in diesen „goldenen“ 20-er Jahren nicht alles diskutiert, entwickelt, ausprobiert, verworfen!

Die „geistige Mutterschaft“ war dabei eine nach dem Weltkrieg besonders propagierte Denkrichtung, bei der die beiden Autorinnen in ihrer dreiaktigen Komödie ihre Protagonisten in einer Zeitungsredaktion die unterschiedlichsten Positionen einnehmen lassen und sie letztlich der Lächerlichkeit preisgeben.

Beide Autorinnen pflegen bisweilen als „die eine“ und „die andere“ eine Dialogform, mit der sie Themen der Frauenbewegung selbstkritisch in der Presse behandeln. In der Deutschen Allgemeinen Zeitung diskutieren sie 1929 die Frage „Sind wir wirklich selbständig geworden?“, die sie eher verneinen als bejahen.

Das vorliegende Manuskript haben wir in Käthe Miethes Publikationsverzeichnis aufgenommen, weitere Absichten verfolgen wir damit nicht.

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