Das Thema interessierte viele, 47 Stühle wurden besetzt. Zum Glück ist im Museum Platz genug für alle.
Dr. Marlis Hübner, die den Abend eröffnete und die Moderation übernahm, wird das auch künftig tun. Danke! Es ist schön im Parkett zu sitzen.
René Roloff zog uns schnell in den besonderen Bann der bekannten Türen, die seit Generationen in Prerow entstehen und als unverwechselbares Markenzeichen vor 5 Jahren durch die Aufnahme in die Liste des immateriellen Kulturerbes eine besondere Anerkennung erfuhren.
Zunächst lernten wir viele alte Türen kennen, zum Teil auch in sw-Bildern. Dann erfuhren wir manche Besonderheiten der Prerower Türen im Unterschied zu denen in anderen Orten auf dem Darß und dem Fischland. Schiffertüren sind auch anders als Türen von Fischern oder Handwerkern.
Früher galten die Türen als Statussymbol. Sie sind eng mit der maritimen Kultur aus der Zeit der Segelschiffe verbunden. In der Gestaltung der ein- oder zweitürigen Türen mischen sich oft volkstümliche, bisweilen heidnische Motive mit klassizistischen. Die Sonne, Tulpensträuße und Blüten, auch Anker und Fische finden sich als unterschiedlichste Gestaltungselemente auf vielen Türen, in jüngerer Zeit kam der Kranich hinzu.
Zu Recht firmiert der Roloffsche Betrieb als Kunsttischlerei und Holzbildhauerei. Alles wird von Hand aus dem jeweiligen Holz gefertigt, die einzelnen Stücke dann in die Türfelder eingebaut. Die farbige Gestaltung ist sehr aufwendig, da mehrere Schichten aufgetragen werden. René Roloff kam auch auf Käthe Miethe zu sprechen, die 1934 in „Alte Türen an der Wasserkante“ in den Mecklenburgischen Monatsheften diese Türen ihren Lesern vorstellte. Ihr Credo, das sie vermitteln will: „Achte und liebe und ehre deine alte Tür an dem alten Haus!“ Das Verschwinden mancher dieser alten Türen bedauert sie: „Mit der neuen Tür verlor das Haus sein zuverlässiges, treues Gesicht.“ Mit den vielen neuen Häusern, die in den letzten Jahrzehnten gebaut wurden, hat die Anzahl der Darßer Türen wieder zugenommen. Traditionelles mischt sich mit Neuem, nicht immer zu aller Gefallen. Die Auftragslage der Prerower Kunsttischlerei ist sehr gut, die Kunden haben zahlreiche Wünsche. „Alles ist möglich“, sagt René Roloff.

Fotos von Käthe Miethe, aus: Alte Türen an der Wasserkante, MMH Bd. 10 (1934), 112, S.163-164


